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 Adresse
  Karl-Marx-Allee 33
10178 Berlin Mitte
(030) 247 560 11
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 Beschreibung
Die Stadtplanung der DDR machte die Karl-Marx-Allee (ehemals Stalinallee) zum vorzeige Projekt der sozialistischen Architektur. Der I. Bauabschnitt vom Frankfurter Tor bis zum Strausberger Platz wurde 1952/53 gebaut.
Der II. Bauabschnitt vom Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz umfasste ein Areal von ca. 60 Hektar. Im Herbst 1958 wurde in einem Wettbewerb der Entwurf von Josef Kaiser und Werner Dutschke ausgewählt, der den Bau von ca. 5000 Wohnungen in der Großplattenbauweise vorsah. Als zentraler Punkt des neuen Viertels wurde der U-Bahnhof Schillingstraße gewählt, um den sich das 'Café Moskau', das Hotel 'Berolina' (mittlerweile abgerissen), ein Pavillion mit einer Mokka-Milch-Eis-Bar und vor allem das 'Kino International' (inklusive einer Bibliothek und Klubräume) gruppierten. 1990 wurden die Bauten unter Denkmalschutz gestellt.

Kino mit rot beleuchteten Foyer zur 'MonGay' Reihe, Mai 2009 © kinokompendium
Parallel zum 'International' entwarf der Architekt Josef Kaiser auch für den I. Bauabschnitt der Stalinallee das Kino Kosmos (welches Mitte 2005 als Kino geschlossen wurde).
Das 'Kino International' enstand in dreijähriger Bauzeit, von 1961 bis 1963. Die Leitung der Ausführung beider Bauten lag in den Händen des Architekten Heinz Aust. Am 15. November 1963 wurde das 'Kino International' als DEFA-Premierenkino mit dem sowjetischen Revolutionsdrama 'Optimistische Tragödie' feierlich eröffnet. Seit Oktober 1992 wird das Kino von der Yorck Gruppe geführt, die 1996 auch das Grundstück kaufte.

Fassade, Mai 2009 © kinokompendium
Auf einem Sockel, der mit grauen Stein verkleidet ist, lagert der weiße Betonkörper des Gebäudes, der durch eine gekrümmte Linie die schräge des Kinosaals aufgreift. Das Foyer im ersten Stock ragt als freischwebender Gebäudeteil über den Bürgersteig und bildet somit eine großzügige Überdachung des Eingangs. Sechs Schaukästen stehen vor den drei zentrierten verglasten Eingangstüren, über denen ein Buchstaben-Werbeanschlag angebracht ist.
Eigentlicher Werbe-Blickfang des freistehenden Stahlbetonbaus, ist jedoch das (immer noch handgemalte) Filmplakat, welches die Symmetrie der Front bewußt unterbricht. Das Plakat trennt den goldenen Schriftzug 'Kino International' und die Fensterfront des Foyers in zwei unterschiedlich breite Teile.

Fassade, Mai 2009 © kinokompendium
Waldemar Grzimek, Professor an der 'Kunsthochschule Berlin-Weißensee', erhielt 1960 den Auftrag die Fassade künstlerisch zu gestalten. Sein selbstgewähltes Thema wurde später 'Aus dem Leben der heutigen Menschen' betitelt. Die Bildhauer Hubert Schiefelbein und Karl-Heinz Schamal wählte er als seine Mitarbeiter. Grzimek war West-Berliner und lehnte vor dem Mauerbau ab überzusiedeln. Nach dem Mauerbau bevollmächtigte er im Januar 1962 Hubert Schiefelbein seine Arbeit an der Fassade zu übernehmen, welches Ende 1962 von der 'VEB Berlin-Projekt' akzeptiert wurde. So entworfen Schiefelbein und Schamal jeweils sieben Motive, der insgesamt 14 unterschiedlichen Szenen aus dem Freizeit- und Berufsleben des sozialistischen Alltags. Der Auftrag wurde Ende 1964 erfolgreich abschlossen. In dem informativen Buch Das Kino International in Berlin hat der Autor Dietrich Worbs den Bildhauer Karl-Heinz Schamal die 14 Reliefs erstmalig betiteln lassen (in der gedachten Leserichtung von rechts nach links).
An der Westseite: 'Junge Arbeiter im Gespräch mit einer Arbeiterin' (Ein Fahrradfahrer und weiterer Mann unterhalten sich mit einer Frau, die sich ein Kopftuch umbindet.) | 'Liebespaar auf der Bank im Park' (Über Ihnen scheint der Halbmond und die Sterne funkeln.) | 'Junge Frau mit Kindern auf dem Spielplatz' (Während drei Kinder auf einem Klettergerüst klettern, sitzt das vierte Kind auf einer kleinen Elefantenfigur.) | 'Lehrlinge bei der Ausbildung in der Fabrik' (Ein Mädchen und ein Junge lernen mit Hilfe eines Handwerkers den Umgang mit einer Säge bzw. Stanze.) | 'Studenten bei der Vorlesung im Hörsaal' (Anhand einer Kurve lehrt ein Professor drei Studenten auf der Bank.)



Westseite, Mai 2009 © kinokompendium
An der Rückseite: 'Menschen im Theater' (Zwei Schauspieler mit einer lachenden und weinenden Maske stehen vor einem Zuschauer. Über ihnen schwebt eine wilde Mixtur an Gegenständen: Neben einer Laute und einer Krone gibt es auch ein Säbel und Gewehr.) | 'Eltern mit Kind im Zoo' (Die Familie sitzt an einem Tisch und bestaunt die Giraffe, den Affen und Raubvogel.) | 'Freizeit bei der Gesellschaft für Sport und Technik' (Während Männer im Vordergrund ein Motorrad reparieren sehen wir im Hintergund Fallschirme.) | 'Ballspieler und Badende am Meerestrand'



Rückseite, Mai 2009 © kinokompendium
An der Ostseite: 'Bauarbeiter bei der Montage auf der Baustelle' (Ein Arbeiter mit Helm schaut zu einem Hubschrauber, der neben einem Kran zu schweben scheint. Rechts vom Arbeiter sitzt ein lesender Mann.) | 'Traktorist und Bäuerin auf dem Felde' (Über ihnen versprüht ein kleines Flugzeug Pestizide.) | 'Forschung und Lehre' (Ein Gelehrter erklärt drei Schülern das Sonnensystem, während neben ihm eine Friedenstaube fliegt.) | 'Gesundheitsfürsorge im Krankenhaus' | 'Familienspaziergang am 1. Mai'



Ostseite, Mai 2009 © kinokompendium
Die Kassenhalle im Erdgeschoß, mit je links und rechts in die Wand eingelassenen Kassenhäuschen, ist durch verglaste Türen von der Gardrobenhalle getrennt. Das untere Foyer hat nur eine kleine runde Sitzgruppe in der Mitte des Raumes unterhalb der wabenförmige Deckenverkleidung mit über 100 Glühbirnen. Auch die Toiletten befinden sich hier unten, was man bedenken sollte bevor man nach oben geht. Links und rechts neben den Aufgängen ins obere Foyer befinden sich die Gardroben, die auch von den separierten Abgängen bedient werden konnten. So war damals der Besucherstrom der gehenden und kommenden Besucher komplett getrennt.

Foyer im Erdgeschoss, 2009 © Eric Neuling / Yorck-Kino GmbH
Hinter der holzverkleideten Rückwand in der Gardrobenhalle befindet sich der ehemalige Bibliotheksraum, dessen Fensterfront sich entlang der gesamten Rückwand des Gebäudes zieht. Nachdem im Jahr 2001 die Bibliothek ins neugebaute Rathaus (an der Stelle des abgerissenen Hotel 'Berolina' hinter dem Kino) gezogen ist, dient der Raum sporadisch als Bar. Zusätzlich führen Treppenhäuser im hinteren Gebäudeteil zu den fensterlosen Vortrags- und Clubräumen im 2. Obergeschoss.

Ehemaliger Bibliotheksraum, August 1998 © Siegfried Engelmann / Yorck-Kino GmbH
Im Foyer des ersten Obergeschosses, mit Blick auf das 'Café Moskau', ist der Aufenthalt viel angenehmer als im Erdgeschoss. Hier gibt es mehrere Sitzgruppen und auch eine Theke mit Getränken und Snacks (die sich hinter der Plakatwand befindet, und somit kein Fenster verstellt). Vier gewaltige Kronleuchter aus Kristallglas sind besonders sehenswert. Der Boden ist mit Parkett verlegt und die Wände holzvertäfelt.

[Ben & Chr 2'15]


Foyer im Obergeschoss, 2009 © Eric Neuling / Yorck-Kino GmbH
Saal
Bestuhlung Leinwand Projektion Tonsystem
Plätze: 551
Reihen: 20
17 x 9,2m
D-Cinema 4K35mm Theater70mm Theater Dolby Digital
Den leicht ansteigende Kinosaal betritt man durch zwei holzvertäfelte Gänge von hinten links oder rechts. Der Blick fällt auf den sehr schönen, pailettenbesetzten weißen Vorhang und die wellenförmige, hypnotisierend-wirkende Decke. Es gibt noch einen zweiten blauen Vorhang der allerdings seltener genutzt wird aber auf dem folgenden Foto zu sehen ist.

Saal, 2012 © Philipp Plum / Yorck-Kino GmbH
Die Wände sind mit hellem Holzpaneel verkleidet. Wer sich den Blick auf die sehr schöne und angemessen große Leinwand nicht verbauen will, darf sich nicht zu stark in die gemütlichen blauen Polsterstühle reinlümmeln oder sollte einen Platz direkt seitlich neben den Gängen wählen. Insgesamt ein sehr schöner Saal, der tolle Kinoatmosphäre bietet.

Detail Pailetten-Vorhang, Wand & Decke, 2009 © Eric Neuling / Yorck-Kino GmbH
Auch technisch ist das Kino auf dem neuesten Stand. Zur Berlinale im Februar 2008 wurde ein digitaler Projektor im D-Cinema Standard eingebaut und während des Festivals genutzt. Durch die digitalen Möglichkeiten werden auch seitdem immer mal wieder Originalfassungen ins Programm genommen.

[Chr 2'13]


Saal, 2009 © Eric Neuling / Yorck-Kino GmbH
 
Leinwand / Projektion  sehr gut sehr gut
Sound  gut sehr gut
Sitzkomfort  gut sehr gut
Reihenabstand  annehmbar sehr gut
Magic-Johnson-Faktor  gut gut
Lieblingsplatz  Reihe 10 - 12,
seitlich vom Gang
Reihe 10,
seitlich vom Gang
Atmosphäre  sehr gut herausragend