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 Kinokompendium
  Das Kinokompendium ist Berlins unabhängiger Kinoführer und unternimmt seit über 20 Jahren einen informativen aber auch kritischen Streifzug durch die vielfältige Berliner Kinolandschaft. Dabei beschreiben wir nicht nur die Geschichte und das Serviceangebot aller Kinos, sondern werfen auch anhand von über 1300 exklusiven Fotos einen Blick in jeden der über 250 Kinosäle Berlins.

Aus Anlass der aktuellen Maßnahmen zur Eingrenzung von Covid-19 starten wir eine besondere Interviewreihe unter dem Motto Keine Zeit zu sterben. Mit der Reihe möchten wir das einzigartige Vergnügen eines Kinobesuchs in Erinnerung rufen und den besonderen Ort Kino in den Mittelpunkt rücken. Wir hoffen, dass uns auch in ein paar Monaten die ganze Vielfalt der Berliner Kinoszene erhalten bleibt und wir sie bald wieder in vollen Zügen genießen können.
 Interview
 

 2. Juli 2020:
  International
 25. Juni 2020:
  City Kino
 21. Juni 2020:
  fsk
 3. Juni 2020:
  Central, Moviemento & Toni
 27. Mai 2020:
  Passage



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 International - Ein Besuch zu Zeiten von Covid-19
Wir feiern die Kinowiedereröffnung mit einem großen Knaller. Nicht nur machte Thore Horch vom International eine aussergewöhnliche und lange Führung hinter die Kulissen des Hauses, deren Eindrücke wir in dieser Reportage wiedergeben und mit vielen exklusiven Bildern untermalen, sondern nach über 20 Jahren konnten wir eine große Lücke schließen, in dem wir erstmalig die Genehmigung erhielten das Haus selber zu fotografieren.
 Ein Tour hinter den Kulissen
Nach über 20 Jahren ist es soweit: wir haben unseren ersten Fototermin im International und bekommen bei dieser Gelegenheit auch gleich noch eine ausführliche Führung hinter die Kulissen eines der traditionellsten Berliner Kinos. Voller Vorfreude treffen wir Thore Horch, der uns morgens die Türen zum Haus öffnet. Horch ist in erster Linie für die Event-Vermietung und Organisation der Premieren zuständig. Neben den üblichen Vorführungen finden im International diverse Festivals und Sondervorstellungen statt und natürlich die Berlinale sowie weitere große Filmpremieren. Darüber hinaus wird das Kino vor allem von Firmen gebucht, sei es für Produktpräsentationen, Versammlungen oder auch Filmdrehs.

Projektorraum, Mai 2020 © kinokompendium
Wenn dabei das Kino selbst zum Teil des Films wird, freut sich Horch besonders. Er erzählt uns vom Dreh von Steven Spielbergs „Bridge of Spies“, bei dem das Kino durch die Ausstattung aufwändig an den Kurfürstendamm verlegt wurde. Auch Horch war seit den frühen Morgenstunden mit dem Setaufbau betreut. Für den Film verwandelten sich die Poster-Vitrinen zu Kaufhaus-Schaukästen und er brachte u.a. die historischen Werbeanschläge für „Spartacus“ und „Eins, Zwei, Drei“ an. Falsche U-Bahn Eingänge, Verkaufsstände, Kunstschnee und Oldtimer machten die Illusion perfekt.

Projektorraum, Mai 2020 © kinokompendium

Horch beginnt seinen kleinen Rundgang hinter die Kulissen des Hauses im Erdgeschoss, wo er uns hinter der Rückwand der Garderobenhalle den ehemaligen Bibliotheksraum zeigt. Auch wenn er jetzt nahezu leer ist, kann man sich mit ein bisschen Fantasie sehr gut vorstellen, dass er eine Zeit lang als zusätzliche Partylocation genutzt wurde.


Honecker Lounge, Mai 2020 © kinokompendium

Anschließend geht es in einen Seitenflügel des oberen Foyers und wir werfen einen Blick in die sogenannte 'Honecker Lounge'. Diese hat trotz des imposanten Namens nicht viel mit Erich Honecker zu tun, galt aber durchaus als repräsentativer Empfangsbereich für wichtige Persönlichkeit aus Kultur und Politik. Im Prinzip handelt es sich um einen entlang der Ostfassade gelegenen fensterlosen Raum mit Sesseln, Sofas und einer kleinen angrenzenden Theke. Dieses Kabinett dient der möglichen Erweiterung bei speziellen Events, ist aber für das Publikum bei einer normalen Kinovorführung nicht zugänglich.


Honecker Lounge, Mai 2020 © kinokompendium

Als nächstes werden wir durch eine Seitentür des zum Saal führenden Flurs in eines von mehreren Treppenhäusern geführt. Nach einem kurzen Aufstieg erreichen wir den Projektorraum, in dem man sofort den Hauch der über 50jährigen Geschichte des Hauses spürt. Entlang der Rückwand gibt es einen in die Wand integrierten Tisch mit speziellen Kästen zur Aufbewahrung der damaligen 35mm-Kopien und Arbeitsutensilien aus der Zeit vor der Digitalisierung. Dabei fallen viele Details ins Auge, überall liegen alte Filmspulen herum und auch der Aufkleber „40 Jahre Weltbund der demokratischen Jugend“ von 1985 klebt noch sauber an einem Lautsprecher. Obwohl das International mit modernster Technik ausgestattet ist, erklärt Horch, gibt es immer noch die Möglichkeit, analoge Filmrollen abzuspielen.


Projektorraum, Mai 2020 © kinokompendium

Auf dem Weg zurück zum Foyer bleiben wir an einer brusthohen Metalltür stehen. Dahinter befindet sich eines von vielen "Architektengräbern", wie Horch es beschreibt. Damit meint er Räume und verwinkelte Ecken, die nicht in den normalen Betrieb integriert werden können, sondern irgendwie anderweitig genutzt werden müssen. Wir betreten eines dieser "Gräber"und entdecken das riesige Buchstabenarchiv für den Werbeanschlag. Da die Buchstaben in unterschiedlichen Größen benötigt werden, stehen nicht nur die unterschiedlich genormten Größen auf dem Boden säuberlich aufgereiht, sondern in einer Ecke findet sich ein Haufen Buchstaben, aus denen sich benötigte Notlösungen, wie zum Beispiel ein W aus zwei V’s basteln lassen.


Buchstaben Architekturgrab, Mai 2020 © kinokompendium

Schnell werfen wir noch einen Blick in die ehemalige Übersetzungskabine. Im Grunde nur ein komplett schallisolierter kleiner Raum mit Blick auf die Leinwand, aber er ermöglichte die Präsentation von ausländischen Filmen, die noch nicht synchronisiert waren. Vom Saal aus sieht man die Kabine rechts von der Tür auf Höhe des Vorführfensters.


Übersetzungskabine, Mai 2020 © kinokompendium

Den Höhepunkt unseres Rundgangs bildet der wunderschöne Saal mit seiner klassischen Holzvertäfelung an den Wänden und der imposanten Wolkendecke. Wir wollen wissen, ob die urbane Legende, dass Erich Honecker immer in Reihe 8 auf Platz 15 saß, tatsächlich stimmt. Er sei wohl nicht oft hier gewesen, „aber ja, das war die Reihe der Ehrengäste“, bestätigt Horch. Dies lag daran, dass speziell diese Reihe vor Filmpremieren von einem Sprengstoffkommando untersucht wurde. Nach der Neubestuhlung existiert die Protokollreihe allerdings in dieser Form nicht mehr.


Werbedia für einen amerikanischen Farbfilm, Mai 2020 © kinokompendium

Wir betreten einen Treppenabgang rechts neben der Leinwand, wo sich eine unspektakuläre Umkleide für Gäste befindet. Man kann sich in dem uneleganten Raum nur schwer einen Berlinale-Ehrengast vorstellen, aber Horch erzählt, dass die Gäste sich sowieso eher im oberen Foyer aufhalten und auch uns führt der Weg über eine Treppe genau wieder dorthin zurück. Horch erzählt uns, dass es über diverse Auf- und Abgänge möglich ist, fast jeden Raum im Gebäude zu erreichen und man dabei gleichzeitig auch jeden gewünschten Raum auslassen könnte. Dieser Umstand habe auch schon bei der Filmpremiere von "Rammstein in Amerika" sehr geholfen, um die Gäste, an den Fans vorbei, unbehelligt ins Haus zu bringen. Dieses Event im Jahr 2015 gehört zu Horchs persönlichen Highlights. Um den Sound für die Screenings „noch fetter zu machen“, wurden extra zusätzliche Lautsprecher im Saal angebracht. Nach der eigentlichen Premiere gab es am folgenden Tag sogar noch eine Vorführung für Fans. Die Band war jedoch immer noch ein wenig enttäuscht vom fehlenden „Wumms“ bei der Premiere und ließ auf eigene Kosten noch mehr Verstärker installieren. Am Ende vibrierten alle Wände.



 City Kino - Ein Besuch zu Zeiten von Covid-19
Anne Lakeberg vom City Kino erzählt über die besondere Verbindung zu unserer Seite, wie sie seit 6 Jahren den nördlichen Wedding belebt und warum sie sich auf den 2. Juli freut.
 Wie sind Sie überhaupt Kinobetreiberin geworden? Gab es schon vor dem
 eigenen Kino Erfahrung aus anderen Betrieben oder war alles ein Zufall?

Das ist bestimmt eine Mischung aus beidem gewesen. Es ist natürlich "verrückt", dass ich ein Kino betreibe. Es gab diese Liebe zum Kino, es gab diese Vorliebe für Arbeiten im Kino aber es war mir nie in den Sinn gekommen, dass man das als einzigen Job macht.
Ich habe lange in Bielefeld während meines Studiums im Kino gejobbt und dann als ich 2011 nach Berlin kam auch für die Yorck im Filmtheater am Friedrichshain als Kartenabreißer und an der Kasse. Ich habe immer gemerkt, dass mir das Kinobusiness liegt. Ich mochte immer die Arbeit aber auch die KollegInnen die im Kino arbeiten sehr gerne. Das ist ein so bestimmter Schlag.
Später habe ich bei Neue Visionen Filmverleih in Berlin angefangen. Das war sehr spannend und auch gut Mal zu verstehen wie Filme überhaupt ins Kino kommen. Aber ich habe auch gemerkt, dass mir die Kinoarbeit fehlt, weil Verleih ein sehr logistischer Job ist.
Ich habe dann als Fernstudium die Weiterbildung zur Filmtheatermanagerin in Wuppertal gemacht. Dort lernt man die ganzen kaufmännischen und organisatorischen Aspekte eines Kinobetriebes: Wie gründet man ein Kino, wie meldet man es bei der FFA an und so weiter. Und da habe ich meine ehemalige Kollegin Wiebke Thomsen aus Hannover kennengelernt (mit der ich das City Kino startete), und ihr erzählt, "dass Berlin ja eigentlich voll ist und da kann man ja eigentlich nichts mehr machen. Aber im Wedding wo ich wohne, da ist so ein Programmkino-Loch." Und Wiebke fand das total spannend was ich da erzählte und sie sagte "wollen wir da nicht Mal einfach gucken, was es da so gibt." Und dann kommt ihr ins Spiel…

 Genau. Sie sind auf den leerstehenden Kinosaal durch das Kinokompendium
 aufmerksam geworden. War das Liebe auf den ersten Blick?

Voller Enthusiasmus haben wir uns auf die Suche gemacht und irgendwann bin ich dann auch auf Eure Seite Kinokompendium gestoßen und war wirklich ganz begeistert. Vor allem, weil ich es so toll fand auch mal zu sehen, wo gab es überall Kino und dass ihr die ganzen Kinos auf der Seite gelassen habt die geschlossen oder abgerissen wurden. Und so haben wir gehofft, noch irgendein kleines Kino zu finden, was noch leer steht. Und dann sind wir virtuell auf das City Kino im 'Centre Français' gestoßen. Und das erste Gefühl was ich hatte, war ein großer Respekt vor der Größe des Saals. Ich sah 220 Plätze und dachte so „oha, das ist ja doch ganz schön groß, wenn man nur mal einfach so versuchen möchte ein bisschen Kino zu machen“.
Wiebke kam dann mal aus Hannover und wir sind dann da einfach so "heimlich", ohne uns anzukündigen, zum Kino gefahren. Am Schaukasten zur Müllerstraße hing ein Aushang, dass der Saal renoviert wird um in Zukunft für Veranstaltungen aller Art und Vermietungen zur Verfügung zu stehen. Das fanden wir total gut und dachten, vielleicht gibt es da für uns einen kleinen Platz um erstmal jedes zweite Wochenende Kino zu machen. Im Innenhof konnte man durch die Glastür das ganze Foyer sehen, was eigentlich auch noch eine Baustelle war. Trotzdem nahm ich den Glamour des Entrée wahr. Aber den Saal konnten wir nicht sehen, weil es ja geschlossen war.
Der große Zufall in dieser Geschichte war, dass Florian Fangmann, der Leiter des 'Centre Français', mit Wiebke in Oldenburg in die Grundschule gegangen ist und so ging das alles natürlich besser weil die persönliche Verbindung da war. Und dann haben wir uns den Saal anguckt und wir waren schon sehr beeindruckt. Liebe auf den ersten Blick ist zu viel gesagt, weil er mir auch vor Ort durch die Größe, die hohe Decken und die Bühne viel Respekt eingeflößt hat.


Kinogebäude und Detail Decke im Entrée, Oktober 2015 © kinokompendium
 Der Gebäudekomplex wurde ja durch die französischen Alliierten gebaut?
 Ist das eine Geschichte die fasziniert?

Es ist auf jeden Fall die Geschichte die fasziniert. Ich mag persönlich historische Kinos. Das man vermuten kann für was das Kino mal stand mit dem Kontrast was wir da heute machen. Also ein alternatives Programmkino in diesem glamourösen Haus. Tatsächlich gibt es einige Beschriftungen von Schaltern und Schilder die auf Französisch sind, so auch in den Umkleideräumen hinter dem Saal. Was die wenigsten wissen, wurde es als Veranstaltungssaal und Kino gebaut, so dass die Leinwand hoch und runterfahrbar war, und die Bühne auch für Theaterveranstaltungen genutzt wurde.
Es muss ein Prestigeobjekt der Franzosen gewesen sein. Es gibt herausragende Elemente, die damals eingebaut wurden. Unter der Treppe im Foyer gibt es ein türkisfarbiges Mosaikbecken in dem damals Fische schwammen. Dann gibt es diese Statue hinter dem runden Buntglasfenster im Erdgeschoss.
An diesen Sachen sieht man das Erbe und man kann sich lose vorstellen wie beeindruckend das damals gewesen sein muss, als Ende der 50er Anfang der 60er der Saal eröffnete. Ich selber kenne leider keine Fotos aus der Zeit und wünschte es gäbe eine Historikerin die mal Lust hätte so richtig zu recherchieren.

 Wünschten Sie sich manchmal, dass das Gebäude zentraler liegt?

Es ist recht weit ab vom Schuss und liegt im klassischen Wohngebiet. Und auf der Höhe gibt es kaum Cafés oder Kneipen. Das ist schon ein großer Unterschied zu einem Kino in Kreuzberg. Aber mein Eindruck ist, dass sich das auch ändert und der Wedding wächst. Gerade um den Leopoldplatz und auch Seestraße ziehen immer mehr junge Leute hin und neue Restaurants und Cafés machen auf. Andererseits finde ich persönlichen die Lage auch sehr Besonderes, weil man aufgrund der Umgebung hier entschleunigt. Ich habe das Gefühl, dass Leute das auch schätzen. Und schließlich kriegt der Besucher am Ende einen Kinobesuch im facettenreichen und großzügigen Saal geboten mit einer hoffentlich warmen und gemütlichen Stimmung die wir kreieren. Dafür lohnt sich doch der Weg.

Und wenn das Kino nicht in dieser Ecke gewesen wäre, sondern irgendwo weiter Zentral, dann wären wir nicht die Ersten gewesen die das Kino entdeckt und wiederbelebt hätten.


Saal, Oktober 2015 © kinokompendium
 Gibt es ein besonders schönes Erlebnis oder ein Alltagserlebnis was einen
 als Kinobetreiberin immer wieder anspornt und begeistert?

Ein großes Highlight war der Besuch von Michael Ballhaus im Rahmen der Berlinale Hommage 2016, kurz bevor er gestorben ist. Ich fand ihn so beeindruckend, weil er ein so angenehmer und bescheidener Mensch war, für das was er in seinem Leben erreicht hat. Du musst ja erstmal als Kameramann so berühmt werden.
Aber es sind auch die kleinen Erlebnisse. Gerade in der Corona Zeit sind es die E-Mails die von Besuchern kommen, die uns sagen, dass sie unser Kino vermissen. Oder die Reaktionen, wenn man auf Facebook postet das man wieder aufmacht.
Prinzipiell einen Film zu präsentieren von dem man selber überzeugt und begeistert ist und wenn dann das Publikum kommt und auch den Film mag, das hält einen bei der Stange. Ich arbeite auch ganz normale Schichten und da haben wir unsere Stammgäste mit denen man sich auch unterhält. Es gab ein Ehepaar die kamen jeden Sonntag zu Fuß egal welcher Film lief. Zu wissen, die vertrauen der Selektion, das hat mich auch berührt. Wir wollen ein Ort für den Kiez sein bei denen sich alle Besucher heimisch fühlen.

 Wie sehen Sie dem 2. Juli entgegen?

Ich freu mich einfach unglaublich, dass die Leute wiederkommen, den Saal zu öffnen, den Projektor und die Vorstellung zu starten. Da stehe ich natürlich selber an der Kinokasse auch um zu gucken wie das alles mit den Hygiene-Maßnahmen funktioniert aber auch mit dem einen oder anderen Gast zu quatschen um herausfinden wie er oder sie die Zeit überstanden hat. Aber ich muss auch gestehen, dass ich etwas Angst habe, dass keiner kommt. Es ist Juli und ein schwieriger Start, weil wir da im Hochsommer sind. Ich hoffe natürlich, dass Leute kommen und sie sich bei uns wohlfühlen und dass wir die Hygiene Maßnahmen so umsetzen, dass sich jeder gut aufgehoben fühlt.
Als zweite Vorstellung habe ich den Film Wedding von 1989 programmiert, der im Wedding gedrehte Mauer Film, der bei uns einen festen Platz gefunden hat. Ich habe mich entschlossen diese Vorstellung umsonst anzubieten. Eigentlich bin ich überhaupt nicht dafür, denn man muss ja auch Geld verdienen, aber mir war es an dieser Stelle wichtig, dem Publikum so ein Dankeschön zurückzugeben. Mich für die ganze Unterstützung in der Zeit, die vielen Gutscheine die gekauft wurden und für die Spenden die eingegangen sind zu bedanken.
Ich freu mich auch auf ein paar Sonderveranstaltungen die ich für den Juli geplant habe. Ich musste auch ein Programm machen, was mich selber begeistert und ein wenig eklektisch und sehr divers ist. Ich habe eine kleine Krisen Kinoreihe mit Zombiefilmen. Da läuft auch die deutsche Trashperle 'Die Hamburger Krankheit', die ich auch erst kürzlich entdeckt habe, in Anwesenheit des Regisseurs. Also ich freue mich auf solche Sachen und hoffe wie gesagt, dass da ein paar Leute kommen und dann sehen wir weiter.


Saal, Oktober 2015 © kinokompendium


 fsk - Ein Besuch zu Zeiten von Covid-19
Christian Suhren vom fsk zeichnet für uns in einem exklusiven Interview die Entwicklung vom Off-Off-Kino in der Wiener Straße zum heute bekannten Arthouse-Kino mit zwei Sälen am Oranienplatz nach. Erzählt was die Änderungen nach der Corona-Pause sein werden und offenbart was die Abkürzung fsk wirklich bedeutet.
 Was war der Auslöser ein Kino zu gründen?
Als wir 1988 mit dem 'fsk' in der Wiener Straße starteten, waren die ganzen Betreiber alle schon vorher in Filmclubs oder ehrenamtlichen Kinos unterwegs. Also zum Beispiel im Regenbogenkino oder im OmU e.V. in Schöneberg. Und dann gab es die Überlegung ob man das nicht auf eine wirtschaftliche Basis stellen kann. Der Auslöser überhaupt Kino zu betreiben war die Idee der Gegenöffentlichkeit. Film war ja noch nicht so präsent wie jetzt. Es gab kein Internet, und  nur wenige Videotheken die eine vernünftige Auswahl hatten. Dementsprechend hatten wir mit dem eigenen Kino den Anspruch Sachen zu zeigen die es sonst nicht zu sehen gab.
 Was für Räumlichkeiten haben Sie genutzt? War das vorher ein Kino?

Wir haben damals in der Wiener Straße 20 die ehemalige Kneipe 'Wohnzimmer' übernommen. Die Idee damals war das zu erwartende schlechte Kino-Geschäft, weil wir ja sehr spezielle Filme zeigen wollten, dadurch abzufedern, dass wir vorne eine gut laufende Kneipe haben. Nebenan gab es jede Menge Kneipen die unglaublich gut liefen. Das hat aber leider nicht so geklappt, weil wir als Kneipiers nicht so gut waren. Aber das Kino lief besser als wir dachten. So dass das Kino eigentlich die Kneipe gefördert hat und nicht wie ursprünglich gedacht andersrum.


fsk am Oranienplatz & Harmonium im Saal 2, 2014 & 2015 © kinokompendium
 Welchen Schwerpunkt hat das fsk damals im Programm gesetzt?
 Nannte man das Off-Off-Kino?

Das nannte man tatsächlich Off-Off-Kino. Off Kinos waren damals Kinos wie Yorck, Notausgang oder Filmkunst 66, die schon Erstaufführungen spielten. Wir waren anfangs eher im Repertoireprogramm unterwegs. Haben teilweise thematische Reihen zusammengestellt, oder auch Statements zu aktuellen Ereignissen per Film gemacht. Aber es ging sehr schnell, dass wir schon nach wenigen Jahren auch Erstaufführung zeigten. Darunter auch Filme aus dem Forum (Internationale Forum des Jungen Films) oder dem Verleih der Freunde der Deutschen Kinemathek. So wurden auch andere Verleiher auf uns aufmerksam. Also weg vom reinen Repertoire.

 Neben dem gut ausgewählten Arthouse Programm, sind Sie irgendwann
 einen Schritt weiter gegangen. Im eigenen Peripher Filmverleih werden
 ausgewählte Filme auch ins Kino gebracht. Wie kam es dazu?

Der Verleih hat sich mehr oder weniger von selbst gegründet. Wir haben damals versucht mehrere Filme von Festivals die wir sehr gut fanden zu spielen und das war sehr aufwendig. Man musste immer lange mit dem Weltvertrieb verhandeln und noch eine Kopie besorgen, entweder mit englischen Untertiteln für Festivals oder was Deutsch untertiteltes aus der Schweiz, was dann noch Mal extra kostete. Und wir haben die Werbung und Pressearbeit selber gemacht. Ein Riesenaufwand für einen Film, den man dann zwei Wochen spielte. Also haben wir den Verleih gegründet um diese Arbeit und den Aufwand weitergeben zu können. Für die Welt-Vertriebe war das dann auch wesentlich einfacher, das kannten sie, da ging es dann um normale Verleih Verhandlungen. So hat sich das entwickelt.
In der letzten Zeit ist das ein bisschen schwieriger geworden, weil es wegen der Digitalisierung sehr viele Verleihe gibt. Man kann leichter einen Film rausbringen und deshalb gibt es so viele Kinostarts. Anfangs waren die Kinos richtig begeistert, dass es uns gab – heute ist es einfach nur ein weiterer Film.


fsk am Oranienplatz Saal 2 ohne Flugzeugsessel, April 2015 © kinokompendium
 Mit dem Umzug zum Oranienplatz 1994 haben Sie zwei nagelneue Kinosäle
 bezogen. Was begeistert Sie nach wie vor an diesem Kino?

Mit dem Umzug an den Oranienplatz waren wir erstmal die Kneipe los. Das war wirklich eine große Befreiung, denn wir waren wirklich keine Kneipiers. Mit zwei Sälen können wir flexibler Programm machen und Spielfilme länger oder auch nur eben mal eine Woche im Kino  laufen lassen. Das funktionierte viel besser und hat auch dazu geführt dass wir auf bescheiden Niveau, alle ein Gehalt beziehen, was in der Wiener Straße so noch nicht der Fall war. Das schöne ist, das wir nach wie vor das Programm machen was wir machen.

 Gibt es neben dem kleinen Brunnen im Saal 1 noch eine andere
 Besonderheit, die kaum ein anderes Kino hat?

Den Brunnen als unser Alleinstellungsmerkmal finde ich immer ein bisschen schwach. Ich mag ihn sehr gerne und die Leute lieben ihn auch, aber eigentlich ist das zentrale doch das Programm was wir machen. Das wir es in einem Kino anbieten wo man die Filme gut gucken kann. Das ist wesentlich wichtiger als die Gimmicks drumherum.


Brunen im Saal 1 & das alte Kartensystem, November 2007 © kinokompendium
 Wie bereiten Sie sich auf den Tag der Wiedereröffnung vor?
 Freut ihr Euch, auch wenn es zunächst noch Einschränkungen gibt?

Wir freuen uns, dass wir wieder loslegen und Programm machen können. Wobei die Zeit, wo man mal keinen Kinobetrieb hatte auch was entspannendes hatte. Das war jetzt auch mal gut zu erfahren, wenn man gar kein Kino macht, sondern sich um andere Sachen kümmert.
Die Wiedereröffnung ist natürlich unwägbar, ob die Leute schleunigst wieder ins Kino wollen. Es ist ja dann Sommer und Ferien. Wir sind wirklich gespannt wie das alles läuft. Wir haben ja ein bisschen renoviert und präsentieren uns etwas schöner. Leider müssen wir uns auch wegen der Hygienemaßnahmen von den Rollenkarten verabschieden und haben dann jetzt ein online Ticketing System mit ausgedruckten Bons. Alles ganz spannend und neu. Mal sehen wie das so ankommt und funktioniert.

 Wir haben mal gelesen, dass das fsk seinen Namen vom 'Flugzeugsesselkino'
 hat, aber niemand wollte uns das damals bestätigen.

'Flugzeugsesselkino' ist erstmal richtig. In der Wiener Straße und Anfangs auch im Kino 2 am Oranienplatz hatten wir in der Tat Flugzeugsessel von Lufthansa. Das haben wir dann verändert, weil die Flugzeugsessel doch nicht so lange halten wie richtige Kinosessel. Der Name ist natürlich geblieben. Die häufig vermutete Assoziation mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Kino finden wir als Kollektivbetrieb natürlich charmant, weil wir die freiwillige Selbstkontrolle auch auf den Fahnen stehen haben.



 Central, Moviemento & Toni - Ein Besuch zu Zeiten von Covid-19
Die Corona-Schließzeit wird im Central, dem nach der Wende gegründeten Kino im Zentrum Berlins, für Renovierungsarbeiten genutzt. In Saal 2 werden nicht nur neuer Teppich verlegt und neue Stühle eingebaut, sondern das Publikum darf sich zur Wiedereröffnung auch über eine neue Leinwand und Lautsprecher freuen. Die Betreiberin Iris Praefke leitet nicht nur seit 2013 das Central, sondern seit 2007 mit dem Moviemento auch das älteste Kino Berlins und seit zwei Jahren das Weißenseer Kiez-Kino Toni, das bis 1979 in der ehemaligen DDR aus privater Hand geführt wurde. Während im Hintergrund die Bauarbeiten weiterlaufen, verlängert Frau Praefke ihre Pause, um uns ein kurzes Interview zu geben.
 Sie leiten drei Häuser, die für sehr unterschiedliche Berliner
 Kinogeschichten stehen. Wie macht sich das bemerkbar?
Iris Praefke: Das Toni ist viel stärker ein Nachbarschaftskino als das Moviemento oder auch das Central. Im Moviemento laufen viele Festivals und Sondervorführungen, dadurch ist es eher ein Kino für die ganze Stadt. Es ist einfach schön, wenn nach einem Event noch Gespräche im Foyer stattfinden und man mit den Gästen weiterredet. Im Central spielen wir alles Original mit Untertiteln und daher ist das Publikum internationaler im Sinne von Touristen. Wir zeigen in allen drei Kinos Kinderprogramm, allerdings gibt es in Mitte nicht so viele Kinder. Beim Toni dagegen wohnen irrsinnig viele Kinder und das macht sich bemerkbar im Programm. Dort kommen sogar ganz viele Kinder, um sich den Film alleine anzuschauen - das ist mir im Central noch nie untergekommen.
 Sie setzen also einen starken Schwerpunkt aufs Kinderprogramm?
Iris Praefke: Die Kita-Kinder sind eigentlich immer begeistert. Aber besonders freut es mich, wenn Schulklassen kommen, in denen manche Jugendliche eigentlich gar kein Bock haben diesen „doofen Film“ zu gucken und sie der Film dann aber doch mitnimmt und begeistert. Da merkt man: Filme schauen ist das eine, aber wenn Du es im Kino in einem abgedunkelten Saal mit anderen Leuten siehst, ist es halt ein ganz anderes Erlebnis als alleine zu Hause vor dem Rechner. Deswegen machen wir so viel Kinderkino. Und ich habe oft erlebt, dass die Kinder später zu uns als Besucher zurückkommen.

Poster und Bierdeckel: Fundstücke im Moviemento, August 2010 © kinokompendium
 Wie sind Sie denn damals zum Moviemento gekommen?
Iris Praefke: Ich habe zu dem Zeitpunkt noch im Kino Nickelodeon gearbeitet, das leider schließen musste. Das habe ich total gerne gemacht, allerdings war es mit nur einem Saal und wenig Plätzen sehr klein. Dazu kam bei mir die Phase, wo ich dachte, dass ich mir mal einen "richtigen Job" suchen müsste. Ich wollte gerne weiter im Kino arbeiten, aber nur mit dem Nickelodeon wäre das nicht gegangen. Genau zu dieser Zeit bot die Vorbetreiberin des Moviemento das Kino Wulf Sörgel und Torsten Frehse von Neue Visionen an und die brauchten noch jemand, der das wirklich macht. Als ich fragte: „Wann geht’s denn los?“, sagte Wulf: „Nächste Woche!“. Es ging also alles ziemlich schnell.
 Was ist das Besondere für Sie am Moviemento?
Iris Praefke: Ich mag, dass Du dort annähernd einmal im Kreis laufen kannst und an allen Sälen vorbeikommst. Es ist sehr gemütlich und überschaubar. Die Vorbetreiberin hat das alles sehr klug von einem auf drei Säle ausgebaut. Die Wege sind sehr kurz und Du kommst überall gut hin, dadurch hast du einen super Überblick. Von den Arbeitswegen her könnte man das Kino locker alleine schmeißen. Irgendwie hat es immer was von zu Hause sein. Eines muss man jedoch sagen: Der Grund, warum das Moviemento noch existiert, ist die Lage im ersten Stock. Andernfalls wäre es schon längst ein Supermarkt geworden.

Projektorraum Details Moviemento, September 2010 © kinokompendium
 Was gefällt Ihnen am Toni besonders?
Iris Praefke: Wir haben dort ein paar Sonderveranstaltungen, die wirklich einzigartig in Berlin sind. Wir haben z.B. den ND-Filmclub - eine monatliche Veranstaltung, bei der DEFA-Filme mit anschließender tiefgehender Diskussion gezeigt werden. Bis vor kurzem hatten wir die Reihe „Arbeitswelten der DDR“, das sind so Sachen, die siehst Du sonst nie. Außerdem ist das Kino ja noch aus der Stummfilmzeit und dadurch ist es ein großer Saal mit einer wahnsinnig großen Bildwand für das Format 1:1,37. Das ist natürlich cool, wenn Du diese alten Filme genau in dem Format zeigen kannst.
 Sie haben mit anderen Programmkinos zusammen die Crowdfunding-
 Kampagne Fortsetzung Folgt gestartet. Wie lief die Zusammenarbeit
 mit den anderen Kinos?
Iris Praefke: Die Kinobetreiber kennen sich zwar untereinander, z.B. durch Treffen auf Branchenevents, aber wir hatten noch nie so viel Kontakt miteinander wie derzeit. Durch die gemeinsame Kampagne Fortsetzung Folgt verstärkt sich der Zusammenhalt. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Es kämpft halt nicht jeder für sich alleine und sieht die anderen als Konkurrenz. Ich glaube, dass von diesem Miteinander auch etwas für die Zukunft bleibt. Wir haben in Berlin einfach eine einzigartige Kinolandschaft mit einem sehr breiten Angebot - vom Mainstream bis zur Subkultur.

Sneak Peak Central Saal 1 - neue Bepolsterung, Mai 2020 © kinokompendium
 Freuen Sie sich wieder auf die Besucher?
Iris Praefke: Die Frage muss man ja eigentlich gar nicht beantworten. Natürlich! Es war die ersten Tage auch ganz komisch, denn wir haben eigentlich nie zu. Wir haben Weihnachten geöffnet und auch an Silvester und am 1. Januar – also eigentlich immer. Wenn Du dann auf einmal im Kinofoyer sitzt und es ist 20 Uhr und niemand ist da, dann ist das ein supermerkwürdiges Gefühl. Es fehlt mir sehr, dass die Leute im Foyer stehen und sich unterhalten oder vielleicht auch mal eine ganz komische Frage stellen. Diese ganze Interaktion mit dem Publikum vermisse ich. Einige Leute haben uns auch geschrieben, wie sehr sie uns vermissen. Das ist toll und wir haben uns über jede einzelne Nachricht sehr gefreut.


 Passage Kino - Ein Besuch zu Zeiten von Covid-19
Anlässlich neuer Aufnahmen im Passage Kino führten wir ein Interview mit Gerd Müller-Eh, der das Kino seit September 1989, also vom ersten Tag der Wiedereröffnung durch die Yorck Kinogruppe, als Theaterleiter führt.
 Sie leiten die Passage seit der Wiedereröffnung 1989. Wie hat damals
 alles begonnen?
Gerd Müller-Eh: Eröffnet haben wir das Kino mit 'Indiana Jones und der letzte Kreuzzug'. Das war damals noch die Zeit, wo die Premieren der Filme eigentlich nur am Kurfürstendamm gespielt wurden, daher war es ein großes Wagnis hier in Neukölln ein Kino zu bauen. Wir hatten zwar vor, überwiegend die großen Blockbuster zu spielen, wussten aber nicht, ob wir überhaupt an die Filme rankommen würden. Durch Indiana Jones war das Haus allerdings so brechend voll, dass alle Verleiher sofort nachgefragt haben, ob wir ihre Filme spielen. Das war damals eine Neuerung und im Grunde der Startschuss dafür, dass die Uraufführungen nicht ausschließlich am Ku'damm gespielt wurden, sondern auch in die Bezirke gehen konnten.

Projektorraum von Saal 1, Mai 2020 © kinokompendium
 Was faszinierte Sie bei der damaligen Wiederentdeckung des Kinos
 an dem Bau besonders?
Gerd Müller-Eh: Das Kino wurde schon 1908 eröffnet, war aber zum Zeitpunkt der Wiederentdeckung nur noch ein Möbellager. Der Hauseigner - übrigens der selbe wie vom Babylon (Kreuzberg) - ist sehr kulturaffin und hatte die Idee, aus dem Gebäude ein Kulturhaus zu machen. Zusammen mit der Neuköllner Oper wollte er ein kulturelles Zentrum generieren.
Wir haben dann nach allen Regeln der Denkmalspflege das Haus wiederhergerichtet. Das erkennt man schon im Treppenhaus besonders gut. Die dunkelbraune Holzverkleidung sind Spuren der Geschichte, auch wenn sie im Originalzustand nicht da war. Das betrifft auch die Farben des Bodens und der Wände im Foyer. Das teuerste Problem im großen Saal 1 war die Schallisolierung zur Neuköllner Oper, da die Decke originalgetreu bleiben musste.
 Gibt es eine bauliche Besonderheit in dem Kino, die kaum ein
 Zuschauer wahrnimmt?
Gerd Müller-Eh: Es ist schade, dass es in Saal 1 zwar einen Rang gibt, wir diesen allerdings nicht betreiben durften, weil die Brüstungshöhe nicht hoch genug war. Wir mussten uns komplett umentscheiden und haben dann den Rang abgetrennt und dort den Projektorraum eingebaut. Wir haben extra an der Rückseite des Rangs eine Verspiegelung eingebaut, damit man architektonisch einen Eindruck davon bekommen kann, wie groß der Saal eigentlich gedacht war.
Es gibt noch etwas anderes Interessantes: 1908 war der Saal als Theater konzipiert und deswegen gibt es auch eine Vollbühne. Die meisten wissen nicht, dass man die Leinwand in Saal 1 auf Schienen nach hinten schieben kann.

Leinwand im Saal 1 auf Schienen, Mai 2020 © kinokompendium
 Welche Aufführung oder welches Event zählt zu den Highlights ihrer
 Zeit als Betreiber?
Gerd Müller-Eh: Was mir sehr viel Spaß gemacht hat, war das zwanzigjährige Jubiläum in Zusammenarbeit mit der Neuköllner Oper. Da gab es die Aufführung eines Stummfilms mit Orchester und es kamen viele Gäste, die schon vom ersten Tag an in die Passage kommen. Das hat mir große Freude bereitet und ich war sehr berührt von der Treue des Publikums.
 Ich höre raus, dass Sie nach wie vor davon begeistert sind das Kino zu
 betreiben.
Gerd Müller-Eh: (mit Begeisterung in der Stimme) Ja! Das wundert mich selbst auch immer wieder, weil ich das jetzt schon mein Leben lang mache. Zu meiner Schulzeit habe ich Kinos geputzt, während des Studiums habe ich vorgeführt und nach meinem Studium bin ich Theaterleiter geworden. Also eigentlich bin ich immer beim Kino geblieben.
 Freuen Sie sich wieder auf Kinovorführungen?
Gerd Müller-Eh: Auf jeden Fall. Sowas wie Netflix langweilt mich. Ich kann das Zeug auf dem kleinen Monitor nicht mehr sehen. Es bringt einfach keinen Spaß und ich gucke dort die Filme nicht konsequent, sondern zappe nur rum. Im Kino dagegen schaue ich mir auch Filme an, die mich vielleicht erstmal schwer mitnehmen, die sich aber im Laufe der Zeit entfalten und mir dann zeigen was sie können. Ich bleibe einfach ganz anders dabei. Und aus diesem Grund hoffe ich auch, dass das Publikum wiederkommt. Dass es vielen genauso geht wie mir.

Buchstabensammlung für den Werbeanschlag, Mai 2020 © kinokompendium