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  Karl-Marx-Allee 33
10178 Berlin Mitte
+4930322931322
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Ermäßigung: Auszubildende, Studierende, Schüler:innen, Freiwillige (FSJ, FÖJ, BFD) und Berlin-Pass-Inhaber:innen
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Covid-19 Interviewreihe
 Kinokompendium
  Aus Anlass der Maßnahmen zur Eingrenzung von Covid-19 führten wir 2020 eine besonderes Interview unter dem Motto Keine Zeit zu sterben.

Thore Horch vom International machte eine aussergewöhnliche und lange Führung hinter die Kulissen des Hauses, deren Eindrücke wir in einer Reportage wiedergeben und mit vielen exklusiven Bildern untermalen

 Beschreibung
Die Stadtplanung der DDR beschloss Anfang der 1950er Jahre, die Karl-Marx-Allee (ehemals Stalinallee) zum Vorzeige-Projekt der sozialistischen Architektur auszubauen. Der I. Bauabschnitt vom Frankfurter Tor bis zum Strausberger Platz wurde 1952/53 gebaut, inklusive dem Kino Kosmos nach dem Entwurf des Architekten Josef Kaiser.

Der II. Bauabschnitt vom Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz umfasste ein Areal von ca. 60 Hektar. Auch hier war Josef Kaiser involviert, der zusammen mit Werner Dutschke 1958 unter anderem den Bau von ca. 5000 Wohnungen in der Großplattenbauweise vorsah. Als zentraler Punkt des neuen Viertels wurde der U-Bahnhof Schillingstraße gewählt, um den sich das 'Café Moskau', das Hotel 'Berolina' (mittlerweile abgerissen), ein Pavillon mit einer Mokka-Milch-Eis-Bar und vor allem das 'Kino International' (inklusive einer Bibliothek und Klubräumen) gruppierten. 1990 wurden die Bauten unter Denkmalschutz gestellt.

Fassade mit geschlossenen Vorhängen als Hitzeschutz, August 2026 © kinokompendium
Das 'Kino International' entstand in dreijähriger Bauzeit von 1961 bis 1963. Die Ausführung lag in den Händen des Architekten Heinz Aust. Am 15. November 1963 wurde das 'Kino International' als DEFA-Premierenkino mit dem sowjetischen Revolutionsdrama 'Optimistische Tragödie' feierlich eröffnet.

Waldemar Grzimek, Professor an der 'Kunsthochschule Berlin-Weißensee', erhielt 1960 den Auftrag, die Fassade künstlerisch zu gestalten. Die Bildhauer Hubert Schiefelbein und Karl-Heinz Schamal werden seine Mitarbeitern. Grzimek war West-Berliner und lehnte eine Übersiedlung vor dem Mauerbau ab. Nach dem Mauerbau bevollmächtigte er Schiefelbein, seine Arbeit an der Fassade zu übernehmen. Dies wurde Ende 1962 von der 'VEB Berlin-Projekt' akzeptiert. Schiefelbein und Schamal entwarfen jeweils sieben Motive der insgesamt 14 unterschiedlichen Szenen aus dem Freizeit- und Berufsleben des sozialistischen Alltags. In dem informativen Buch Das Kino International in Berlin hat Schamal die 14 Reliefs erstmalig betitelt.



Westseite, Juli 2021 © kinokompendium
Motive Westseite: 'Junge Arbeiter im Gespräch mit einer Arbeiterin' | 'Lehrlinge bei der Ausbildung in der Fabrik' | 'Junge Frau mit Kindern auf dem Spielplatz' | 'Liebespaar auf der Bank im Park' | 'Studenten bei der Vorlesung im Hörsaal'



Rückseite, Juli 2021 © kinokompendium
Motive Rückseite: 'Menschen im Theater' | 'Eltern mit Kind im Zoo' | 'Freizeit bei der Gesellschaft für Sport und Technik' | 'Ballspieler und Badende am Meeresstrand'



Ostseite, Juli 2021 © kinokompendium
Motive Ostseite: 'Bauarbeiter bei der Montage auf der Baustelle' | 'Traktorist und Bäuerin auf dem Felde' | 'Forschung und Lehre' | 'Gesundheitsfürsorge im Krankenhaus' | 'Familienspaziergang am 1. Mai'

Fassade in der Dämmerung, Juli 2026 © kinokompendium
Seit Oktober 1992 wird das Kino von der Yorck Gruppe geführt, die 1996 auch das Grundstück kaufte. Die Fassade wurde in einem Zeitraum von drei Jahren bis Juli 2019 saniert und der Vorplatz von der Stadt bis 2020. Dabei wurden auch die drei Bäume vor dem Gebäude entfernt, was nun einen freien Blick ermöglicht.
Eine weitere denkmalgerechten Sanierung des Foyer und Saal, als auch Dach und technische Ausstattung des Kinos wurde nach gut 60 Jahren nach der Eröffnung vom 14. Mai 2024 bis zur Wiedereröffnung am 3. März 2026 durchgeführt. Jedes Holzpanel, Bodenelement, Kronleuchter-Glas der Pailletten-Vorhang etc. wurden wieder, soweit wie möglich, in den Originalzustand versetzt. In dem schönen Bildband Kino International — Innenleben einer Ikone wurden diese Arbeiten ausführlich begleitet. Ein Exemplar kann man auch im Kino erwerben.

Fassade in der Dämmerung, Juli 2026 © kinokompendium
Auf einem mit grauem Stein verkleideten Sockel lagert der weiße Betonkörper des Gebäudes, der durch eine gekrümmte Linie die schräge des Kinosaals aufgreift. Das Foyer im ersten Stock ragt als freischwebendes Gebäudeteil über den Bürgersteig und bildet eine großzügige Überdachung des Eingangs. Sechs Schaukästen stehen vor den drei zentrierten verglasten Eingangstüren, über denen ein Buchstaben-Werbeanschlag angebracht ist.
Die Werbefläche für Filmplakate durchbricht die Symmetrie der Fensterfront bewusst. Sie trennen den goldenen Schriftzug 'Kino International' und die Fensterfront des Foyers in zwei unterschiedlich breite Teile.

Kasse im Erdgeschoss, Juli 2026 © kinokompendium
Die Kassenhalle im Erdgeschoss ist durch verglaste Türen von der Gardrobenhalle getrennt. Diese fungieren als Windschutz zum fortlaufenden Foyer. Die hellgraue Verblendung der Wände mit Bruchstein zieht sich bis ins Treppenhaus fort. Links und rechts sind Kassenhäuschen aus hellem Holz in die Wand eingelassenen. In der Regel wird nur die rechte Kasse im normalen Betrieb bedient. Daneben befindet sich auch der Durchgang zum Fahrstuhl.

Foyer im Erdgeschoss, Juli 2026 © kinokompendium
In der Garderobenhalle steht eine kleine, aber markante, rundgeformte, grün gepolsterte Sitzbank in der Mitte des Raumes. Metallbildhauer Fritz Kühn war für die Gestaltung des Steinbodens mit eingelassenen Metallmustern verantwortlich. Der eigentliche Blickfang ist aber die wabenförmige Deckenverkleidung mit über 100 Glühbirnen, die das Foyer angenehm dominiert.

Foyer im Erdgeschoss, Juli 2026 © kinokompendium
Links und rechts neben den Aufgängen ins obere Foyer befinden sich die Garderoben, die auch von den separierten Abgängen bedient werden konnten. So war damals der Besucherstrom der gehenden und kommenden Besucher komplett getrennt. In der Regel findet nur während der 'Berlinale' auch an der linken Garderobe der temporäre Karten- und Snackverkauf statt. Auch die Toiletten befinden sich im unteren Foyerbereich, was man bedenken sollte, bevor man nach oben geht.

Treppenaufgang ins obere Foyer, Juli 2026 © kinokompendium
Hinter Rückwand in der Garderobenhalle befindet sich der ehemalige Bibliotheksraum, dessen Fensterfront sich entlang der gesamten Rückwand des Gebäudes zieht. Nachdem im Jahr 2001 die Bibliothek ins neugebaute Rathaus (an der Stelle des abgerissenen Hotels 'Berolina' hinter dem Kino) gezogen ist, diente der Raum sporadisch als Bar. Zusätzlich führen Treppenhäuser im hinteren Gebäudeteil zu den fensterlosen Vortrags- und Clubräumen im 2. Obergeschoss, die alle heute nicht mehr genutzt werden.

Foyer im Obergeschoss, Juli 2026 © kinokompendium
Der Aufgang zum Foyer im Obergeschoss führt über zwei Treppen, die in einem 90 Grad Winkel angelegt sind. Kleine Leuchten sind asymmetrisch in den Wänden des Treppenaufgangs eingelassen. Der Blick beim Hinaufgehen fällt in der Regel sofort auf einen der vier gewaltigen Kronleuchter aus Kristallglas, die wahrscheinlich als Unikate für den Bau angefertigt wurden.

Foyer im Obergeschoss, Juli 2026 © kinokompendium
Im Foyer des ersten Obergeschosses, mit Blick auf das ehemalige 'Café Moskau' und dem Fernsehturm am Alexanderplatz, laden mehrere Sitzgruppen mit rot gepolsterten Stühlen und eine Theke mit Getränken und Snacks zu einem angenehmen Aufenthalt ein. Die mit farbigen Panelen indirekt beleuchtete Rückwand der Theke befindet sich hinter der äußeren Plakatwand und verstellt somit kein Fenster.

Foyer im Obergeschoss, Juli 2026 © kinokompendium
Es gibt im Foyer noch ein paar unterschiedliche Lichtstimmungen, die geschaltet werden können. In der Regel ist sie während der wöchentlichen Veranstaltung 'MonGay' bunt oder während des Auslasses gibt es auch ein gedämpftes röchtliches Licht, mit dem man in die Nacht entlassen wird.

[Ben 8'26]


Detail Kronleuchter Ausgangslicht, Juli 2026 © kinokompendium
Saal
Bestuhlung Leinwand Projektion Tonsystem
Plätze: 506
Reihen: 18
17 x 9,2m
D-Cinema 4K Dolby Surround 7.1
Den leicht ansteigenden Kinosaal betritt man durch zwei holzvertäfelte Gänge von hinten links oder rechts. Der Saal überzeugt sofort durch seine Komposition aus Materialien, Farben und Formen. Vor allem die wellenförmige, hypnotisierend wirkende Decke mit ihren dunkleren Streifen, die auf die Leinwand zulaufen, bietet sofort einmalige Kinoatmosphäre und lenkt den Blick des Zuschauers sofort auf die großzügige Leinwand.

Saal, Mai 2026 © kinokompendium
Die Wände sind für die notwendige Akustik mit senkrechten Stäben aus Eschenholz verkleidet. Diese werden durch acht waagerecht angeordnete Holzelemente mit integrierten Lampen optisch durchbrochen.
Der Saal wartet sogar mit zwei Vorhängen auf. In der Regel ist vor der Vorführung der dunkelblaue Vorhang zu sehen. Kurz vor dem Film öffnet sich auch einmal der sehr schöne, mit hellen Pailletten bestickte, weiße Vorhang. Bei Premieren wird in der Regel dieser Vorhang präferiert.

Saal, Mai 2026 © kinokompendium

Die Farbe der Klappsessel ist perfekt auf den blauen Vorhang abgestimmt. Nach der Sanierung 2026 wurden alle Sessel neu bepolstert und die Reihenanzahl um zwei verringert und somit die Beinfreiheit allgemein erhöht.
Ganz ursprünglich gab es in den 1960ern einen Quergang vor Reihe 8. Dort zentriert wurden auch bei Premieren die Ehrengäste platziert, was zu der urbanen Legende führte, das Erich Honecker immer in Reihe 8 auf Platz 15 saß, also 0815. Allzu oft hat er das Kino aber wohl nicht besucht. Nach wie vor ist dieser Platz einer der besten im Saal.
Wer sich den Blick auf die sehr schöne und angemessen große Leinwand nicht verbauen will, darf nicht zu tief in die gemütlichen Sessel versinken oder sollte alternativ einen Platz direkt seitlich neben den Gängen wählen.


Saal, Mai 2026 © kinokompendium
Nach der Sanierung 2026 wurde der 4k-Projektor als erstes aufgebaut. Der eingelagerte 70mm-Projektor soll noch folgen, so dass auch eine anloge Projektion wieder möglich wäre. Hatte aber bisher nicht die Priortät, weil die Yorck Gruppe ja auch im Delphi Filmpalast am Zoo 70mm Filme zeigen kann.

[Ben 5'26]


Saal, Mai 2026 © kinokompendium
 
Leinwand / Projektion  sehr gut herausragend
Sound  sehr gut herausragend
Sitzkomfort  gut sehr gut
Reihenabstand  gut sehr gut
Magic-Johnson-Faktor  gut gut
Lieblingsplatz  Reihe 10 - 12,
seitlich vom Gang
Reihe 10,
seitlich vom Gang
Atmosphäre  herausragend herausragend