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      Kino im 8mm Format: Der Jörg-Palast
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Kino im 8mm Format:
  Der Jörg-Palast

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 Beschreibung
Wenn von einem Heimkinoabend die Rede ist bedeutet das normalerweise ein Videoabend unter Freunden. Wenn man Glück hat geschieht dies mit einem 16:9 Fernseher, einem DVD-Player und einer Surround Anlage. Jörg Maske und sein 'Compagnon' Michael Neiße können bei diesem Gedanken nur müde lächeln. Ich solle doch mal zu einem richtigen Heimkinoabend kommen bietet mir Jörg an, nachdem wir uns im Manhattan nach einer Vorstellung kennengelernt haben und zeigt mir dabei ein abgegriffenes Photo vom Jörg-Palast. Bei ihm gäbe es ein Heimkino mit Super 8.
Super 8?! Meinen verdutzten Gesichtsausdruck hat er sicherlich schon öfters bei anderen gesehen. Das letzte Mal, dass ich Super 8-Filme sah war Weihnachten, als wir uns Familienfilme aus den 70ern und frühen 80ern anschauten. Meine Zweifel lassen auch auf dem Weg nach Nikolassee nicht nach. In dieser relativ verschlafenen Einfamilienhaus-Idylle soll mir also ein außergewöhnlicher Kinoabend geboten werden?

Ich bin spät dran und klingel in der Befürchtung eh hereingelegt worden zu sein. Doch dann öffnet Michael in der 'Jörg-Palast'-Uniform die Tür. Schwarze Hose, weißes Hemd und rote Weste mit Namensschild und 'Jörg-Palast'-Logo. Ich stehe sofort im Kassenbereich oder besser gesagt in der Küche von Jörgs Eltern und ziehe mir eine Karte für die Vorstellung. Selbst die Eintrittskarte wurde extra gedruckt und so langsam wird mir klar, dass ich eine mir neue Fangemeinde kennenlerne, die Joel Schumacher in seinem Film '8mm' ganz bestimmt nicht gemeint hat.

Eintrittskarte © Jörg Maske / Jörg-Palast
Die Wände in den Keller hinab sind gesäumt von Filmplakaten und Fotos, die das laufende und kommende Programm bewerben. Am unteren Treppenabsatz steht der verzierte Süßwarenstand, an dem es Eis, Süßigkeiten, Getränke und 'Jörg-Palast- Memorabilien' wie CD's und Postkarten gibt.
Den holzvertäfelten Kellersaal mit drei Reihen und einer Sitzkapazität von 18 Kinosesseln aus dem Bestand der Neuköllner 'Ili Lichtspiele' (seit 1991 geschlossen) betritt man von der Seite. Links fällt der Blick auf die 3,5 x 1,4m große Leinwand, die durch eine automatische Kaschierung für die verschiedenen Bildformate (auch für das CinemaScope-Format) eingerichtet werden kann und selbverständlich einen Vorhang hat. Rechts kann man das Herzstück des 'Jörg-Palast' betreten, den Vorführraum, in den der größte Teil der 20.000 DM Baukosten geflossen sind, die in mehreren Jahren Bauzeit ausgegeben wurden. Zwei Projektoren der Marke 'Elmo', die synchrongesteuerten Tonanlagen einer Revox-Perfobandmaschine, die an den 6-Kanal Dolby Stereo Prozessor angeschlossen ist (lange bevor in der Video- und TV-Welt Ausdrücke wie 'Dolby Surround', 'Pro Logic', etc. kursierten, führten viele Super 8ler ihre Filme bereits im Dolby Stereo-Surround-Ton vor) sind nur die Grundausstattung. Ein CD-Spieler sorgt für die Saalmusik, zwei Diaprojektoren für die Ankündigungen und Eigenwerbungen vor dem Film. Mit einem Schaltkasten - ein kleines Meisterwerk der Lötkunst - lassen sich fast alle Funktionen innerhalb des Saals steuern. Die Klimaanlage, der Schallschutz, Feuermelder und Notbeleuchtung sind die zusätzlichen Einbauten, die der Zuschauer in der Regel gar nicht bemerkt.

Postkarte des Jörg-Palast © Jörg Maske / Jörg-Palast
Wenn das jetzt alles sehr gut klingt, bleibt natürlich noch die Frage des Programms. Zunächst muss ich an meine Kindergeburtstage denken, bei denen es aus Opas Mottenkiste kurze Trickfilme und zusammengeschnitte Dick und Doof-Filme (wie sie damals noch in Deutschland genannt wurden) zu sehen gab. Bei Jörg stehen aber 'echte' Kinofilme auf dem Programm. Nicht irgendwelche olle Kamellen oder B-Filme von denen kein Mensch bisher gehört hat, sondern Klassiker á la 'Casablanca' und neue Produktionen á la 'Titanic' oder 'A Bugs Life'. Je nach Film in der Originalfassung oder im Zweikanalton via Infrarotkopfhörer.
Noch bis Anfang der 90er wurde bei Videostarts von Filmen sogar Werbung mit der parallelen Veröffentlichung auf 8mm gemacht (z.B. bei 'A League of Their Own'). Natürlich gibt es aufgrund der heutigen kleinen Nachfrage nur die größeren Erfolge und Klassiker auf Super 8, da es in Europa auch nur noch eine Firma gibt bei der man neue Filme bestellen kann. Den Rest der Filme erwerben Jörg und Michael von anderen Sammlern, die je nach Länge und Seltensheitwert zwischen einhundert und mehreren tausend Mark kosten. Beide haben gemeinsam eine Filmsammlung von knapp 120 Filmen, können aber für ihr laufendes Programm auch auf Leihgaben anderer befreundeter Sammler zählen.

Der 'Jörg-Palast' ist zwar nicht ganz so regelmäßig in Betrieb, bringt es aber doch auf ca. 20 Vorstellungen pro Quartal. Wenn Sie Interesse haben, können Sie gerne mit Jörg Kontakt aufnehmen. Vielleicht lädt er Sie ja auch einmal zu einer Privatvorführung ein.

[Ben 6'01]