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| Als ich mich im August 2000 nach einer
Vorstellung im Manhattan nach einem technischen
Detail erkundige, wird der Vorführer ins Foyer gerufen. Mir gegenüber steht der sympathische
Jörg Maske, Jahrgang 1967, und wir kommen schnell ins quatschen über unsere gemeinsame
Leidenschaft Kino. Da die Arbeit ruft, müssen wir unser Gespräch beenden und
so drückt er mir seine Visitenkarte in die Hand und lädt mich in sein privates
Heimkino Jörg-Palast ein. |

Jörg-Palast Eingang & Süßwarenstand, Dezember 2010 © kinokompendium |
Wenn von einem Heimkinoabend die Rede
ist bedeutet das in der Regel ein DVD-Abend mit einem Flachbildfernseher oder Beamer und einer
Surround Anlage. Nicht so im 'Jörg-Palast'. Dort werden die Spielfilme im
Super 8 Format gezeigt.
Super 8?! Meinen verdutzten Gesichtsausdruck hat er sicherlich schon öfters bei anderen
gesehen. Das letzte Mal, dass ich Super 8-Filme sah war Weihnachten, als wir uns Familienfilme
aus den 70ern und frühen 80ern anschauten. Meine Zweifel lassen drei Monate später auf
dem Weg nach Nikolassee nicht nach. In dieser verschlafenen Einfamilienhaus-Idylle soll mir
ein außergewöhnlicher
Kinoabend geboten werden? |

Saal, Dezember 2010 © kinokompendium |
Ich bin spät dran und klingel in
der Befürchtung eh hereingelegt worden
zu sein. Doch dann öffnet sein 'Compagnon' Michael Neiße in der 'Jörg-Palast'-Uniform
die Tür.
Schwarze Hose, weißes Hemd und rote Weste mit Namensschild und Logo.
Ich stehe im Kassenbereich, oder besser gesagt in der Küche von Jörgs
Eltern, und hole mir eine Karte für die Vorstellung. Daneben führt eine Treppe zum
Kinosaal
Die Wände in den Keller hinab sind gesäumt von Filmplakaten und Fotos, die das laufende
und kommende Programm bewerben. Am unteren Treppenabsatz steht der Süßwarenstand,
an dem es Eis, Süßigkeiten, Getränke und sogar 'Jörg-Palast- Memorabilien'
wie CD's und Postkarten gibt. |

Saal, Dezember 2010 © kinokompendium |
| Der holzvertäfelte Kinosaal
mit drei Reihen und einer Sitzkapazität
von 18 Kinosesseln, aus dem Bestand der geschlossenen Neuköllner 'Ili Lichtspiele',
hat eine gemütliche warme Atmosphäre. Hinter dem goldgelben bestickten Vorhang, der
fast die gesamte Breite des Raums einnimmt, hängt die 3,5 x 1,4m große Leinwand.
Selbstverständlich können durch eine automatische Kaschierung
die verschiedenen Bildformate eingerichtet werden,
inklusive dem CinemaScope-Format. |

Projektorraum, Dezember 2010 © kinokompendium |
Das Herzstück des 1985 gegründeten
'Jörg-Palast'
ist natürlich der Vorführraum, in den der größte Teil der Baukosten geflossen
ist. Projektoren der Marke 'Elmo' stehen für die 8mm-Vorstellungen zur Verfügung.
Im neuen Jahrtausend folgt noch ein 'Bauer P 7' Projektor der für 16mm-Aufführungen
genutzt wird, und das Filmrepertoire somit erweiterte. Die synchrongesteuerten
Tonanlagen einer Revox-Perfobandmaschine, die an den 6-Kanal Dolby Stereo Prozessor angeschlossen
ist, sind nur die Grundausstattung. Ein CD-Spieler sorgt
für
die Saalmusik, zwei Diaprojektoren für die Ankündigungen und Eigenwerbungen vor dem
Film.
Mit einem Schaltkasten - ein kleines Meisterwerk der Lötkunst - lassen sich
alle Funktionen innerhalb des Saals steuern. |

Schaltkasten im Projektorraum, Dezember 2010 © kinokompendium |
Bleibt noch die Frage
des Programms.
Bei Jörg stehen Kinofilme auf dem Programm.
Nicht irgendwelche olle Kamellen oder B-Filme von denen kein Mensch bisher gehört hat,
sondern Klassiker wie 'Casablanca', Disney Zeichentrickfilme
und auch neuere Produktionen á la 'Titanic'. Je nach Film in
der Originalfassung oder Synchronfassung.
Noch bis Anfang der 1990er wurde bei Videostarts von Filmen sogar Werbung mit der
parallelen Veröffentlichung auf 8mm gemacht. Das ist natürlich im Zeitalter des digitalen
Mediums vorbei. So wird das abwechslungsreiche Programm aus der eigenen Filmsammlung und auch
aus Leihgaben von anderen befreundeten Sammlern zusammengestellt. |

Jörg Maske nach der Vorstellung in seinem Saal, Dezember 2010 © kinokompendium |
| Der 'Jörg-Palast' hat ca. 20
Vorstellungen pro Halbjahr und ist immer wieder einen Besuch wert. Denn persönlicher als im
Heimkino kann es kaum werden. Wenn Sie Interesse haben, können
Sie gerne mit Jörg Kontakt aufnehmen.
Vielleicht lädt er Sie ja auch einmal zu einer Privatvorführung ein.
[Ben 5'11] |
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