|
| Einleitung analoge Projektion |
|
| Das Grundprinzip der analogen Filmprojektion
ist seit den ersten öffentlichen Aufführungen (1. November 1895 Emil & Max Skladanowsky
in Berlin, 28. Dezember 1895 Auguste & Louis Lumière in Paris) im Großen
und Ganzen gleich geblieben. Ein entwickelter Filmstreifen (dessen Format / Breite in mm angegeben
wird) läuft
durch einen Projektor, der das Bild auf eine Leinwand projiziert. |

35mm-Filmstreifen mit Dolby Digital Tonspur, August 2010 © kinokompendium |
Herzstück im Projektor ist das
'Malteserkreuz', welches die Drehbewegung des Motors in eine Schrittbewegung umwandelt. Diese
wird auf ein Zahnrad übertragen, welches den Film
transportiert. Genau genommen anhält und weiterbewegt. Stummfilme wurden in der Regel
mit 16 Bildern in der Sekunde aufgeführt. Der Standard-Tonfilm wird mit 24 Bildern in
der Sekunde aufgeführt, dabei wird die Leinwand für zweimal vier Hunderstelsekunden
von einem Standbild ausgefüllt
und im Dunkel einer Blende zum nächsten weitertransportiert.
Fast
alle Kinoprojektoren haben aber auch die Möglichkeit einen Film mit 25 Bildern pro
Sekunde aufzuführen. Der Unterschied fällt dem Besucher nicht auf, aber die Filmvorführung
ist bei einem zwei Stunden Film ca. 5 Minuten kürzer. Eine Geschwindigkeit die einige Kinobetriebe
nutzen. |
 
Projektionseinheit des ERNEMANN VII mit Tonabtastung von 1934 im Foyer
des 'Capitol Dahlem' (links) & KINOTON FP 40 D im 'UCI am Eastgate' (rechts) © kinokompendium |
| Eine große technische Erneuerung war die Einführung von feuerfesten Filmmaterial
aus Triazetat Anfang der 50er Jahre, welche den leicht entflammbaren Film auf Nitrobasis ablöste.
Eine weitere große technische Innovation, war die Einführung von 500 - 6500 Watt
starken, ca. 1000 - 3000 EUR teuren, Xenon-Kurzbogen-Lampen in den 60ern, die die abbrennenden
Kohlebogen-Stäbe (die eine Haltbarkeit von nur ca. 30 Minuten hatten) in den Projektoren
ersetzte. |

Tellersystem im 'UCI am Eastgate' & Sidewinder im 'Moviemento' © kinokompendium |
Der heutige Standard ist das ca. 1974 eingeführte Tellersystem - die Erfindung eines Ravensburger
Kinobesitzers. Mit diesem ist es möglich einen bis zu vierstündigen Film ohne Überblendung
aufzuführen. Drei Aluscheiben, mit einem Durchmesser von ca. 1,5m, sind horizontal übereinander
gelagert. Auf einem Teller wird der komplette Film als eine einzigen Rolle gelagert (ein 120minütiger
Film wiegt ca. 30Kg), der vorher vom Vorführer zusammengeklebt wurde.
Beim Sidewinder wird der Film von einer elektronisch geregelte vertikalen Spule auf eine parallel
laufende Spule umgespult. Der Film kann dabei bis zu 3 Stunden lang sein. |
| 16mm-Film & 35mm-Film (Standard
und anamorphisch) |
|
 
 |
Beim 16mm-Film und 35mm-Film gibt
es verschiedene Projektionsformate eines Films, je nach Art des Aufnahmeformats, der Filmkopie
und der Ausstattung des Kinos. Lange Zeit wurde das 16mm-Format für alte Reprisen- und
Kinderfilme genutzt, für deren Auswertung 35mm-Kopien nicht lukrativ genug erschienen.
Schon vor dem Wandel zur digitalen Projektion im 21. Jahrhundert kam das 16mm-Format (mit
Ausnahme unabhängiger Filmemacher und auf Festivals) kaum noch zum Einsatz.
Normalformat
Stummfilme hatten ein Seitenverhältnis von 1:1 bis 1:1,33. Tonfilme haben im Normalformat
ein Seitenverhältnis von 1:1,33 oder 1:1,37. Das Bild wird mit einem Normalobjektiv projiziert.
Im Normalformat werden seit den 50er Jahren nur noch sehr selten Kinofilme produziert.
|

Tellersystem im 'Babylon' Kreuzberg für den Saal A, November 2007 © kinokompendium |
 |
Europäisches Breitwandformat
Das sogenannte 'europäische Breitwandformat' hat ein Seitenverhältnis von 1:1,66.
Das Bild wird mit einem Normalobjektiv projiziert, aber mit einer kürzeren Brennweite
als beim Normalformat. Bei der selben Leinwandhöhe wird nun das Bild breiter und der Vorhang
kann etwas weiter aufgezogen werden. |

'Neues Off' Projektorraum, Mai 2009 © kinokompendium |
 |
Amerikanisches Breitwandformat
Das sogenannte 'amerikanische Breitwandformat' hat ein Seitenverhältnis von 1:1,85. Das
Bild wird mit einem Normalobjektiv projiziert, aber mit einer noch kürzeren Brennweite,
so dass es noch breiter als beim 'europäischen Breitwandformat' wird.
Das Format stellte mit dem Beginn der Produktion von Filmen in CinemaScope einen
Kompromiß für Filmtheater ohne die breiten CinemaScope-Leinwände dar. Später
haben, im Hinblick auf die anschließende Auswertung auf dem Video- und Fernsehmarkt,
einige Studios und Filmemacher das amerikanische Breitwandformat CinemaScope bewußt vorgezogen.
Der Eindruck bei korrekter Formatwiedergabe auf einem regulären 4:3 Fernseher (1:1,33)
ist bei dem Seitenverhältnis 1:1,85 nicht ganz so 'briefschlitzartig' (Letterbox) wie
bei CinemaScope, da die notwendigen schwarzen Balken oben und unten am Bild nicht ganz so dick
sind. Manchmal entfallen die schwarzen Balken ganz, sofern der Film eigentlich im Normalformat
aufgenommen wurde und lediglich für die Kinoauswertung nachträglich auf 1:1,85 gekascht
wurde.
|

Projektor im 'Manhattan' für Saal 1 & Detail
Wand, Juli 2007 © kinokompendium |

 |
CinemaScope
CinemaScope hat ein Verhältnis von 1:2,35. Durch ein anamorphotisches Kameraobjektiv wird
das Bild des 35mm-Films bei den Aufnahmen gestaucht (Faktor 2x) und bei der Projektion duch
die entsprechende anamorphotische Entzerrungslinse wieder in die Breite gezogen. Durch diesen
'Trick' erscheint das projizierte 35mm-Bild doppelt so breit wie auf dem Filmstreifen (auf
dem es ein Seitenverhältnis von 1:1,18 hat).
Mit der Verbreitung des Fernsehers in den amerikanischen Haushalten, suchten die Filmstudios
neue Attraktionen, um den Besucherschwund aufzuhalten. 20th Century Fox kaufte das von Henri
Chretien entwickelte CinemaScope und zeigte erstmalig am 16. September 1953 mit 'The Robe'
(Das Gewand) das neue gigantische Format. Andere Systeme folgten, die den gleichen Effekt durch
andere Techniken erreichten (Paramount entwickelte VistaVision und Michael Todd und die American
Optical Company präsentierten Todd A-O), aber zu guter Letzt wurde CinemaScope am meisten
genutzt. |
| 70mm-Film (Standard
und anamorphisch) |
|
 |
Der 70mm-Film hat in der Regel ein Seitenverhältnis
von 1:2,2. In Ausnahmefällen aber auch Seitenverhältnisse von weniger als 1:2 oder
bei anamorphotischer Aufnahme und Wiedergabe sogar von 1:2,75. Das Seitenverhältnisse
von 70mm-Filmen liegen somit nahe zum CinemaScope Format, aber mit
dem Vorteil, dass die zu durchleuchtende Bildfläche dreifach so groß, und die Projektion
somit schärfer und brillianter ist.
70mm-Filme waren aber in der Produktion und anschließenden Vervielfältigung der
Kopien wesentlich teurer als 35mm-Kopien (eine CinemaScope 35mm-SR Ton Kopie kostete ca. 2000$,
während eine 70mm-Kopie ca. 14.000$ kostete - Stand 1990), so dass das 70mm Format nahezu
extinkt ist.
Seit den 60ern bis Mitte der 90er wurde von ausgewählten, ursprünglich in 35mm-gedrehten
Filmen (z.B. 'Doktor Schiwago', der 'Krieg der Sterne'-, 'Alien'-, 'Indiana Jones'-, 'Stirb
Langsam'- und 'Batman'-Trilogie) jeweils eine Handvoll 70mm-Blow-Up-Kopien gezogen, um das überragende magnetische
Tonsystem nutzen zu können. Eine Vorgehensweise die mit der Einführung und Verbreitung
der diversen digitalen Tonsysteme eingestellt wurde. |

Projektor im 'Odeon' & Detail Wand, Februar 2008 © kinokompendium |
| |
Die Kopien der Filme die ursprünglich in 70mm-gedreht wurden (z.B. 'Ben Hur', 'My Fair
Lady' und 'West Side Story') sind selten und existieren nur noch in privaten und staatlichen
Filmarchiven. Auf der anderen Seite handelt es sich bei den meisten 70mm-Filmen, die noch im
Kino gezeigt werden, auch nur um 35mm-Blow-Down-Kopien, die aus Kostengründen vom 70mm-Negativ
gezogen wurden. In Deutschland z.B. bei der letzten 70mm-Produktion 'Hamlet' (1996) von Kenneth
Branagh und der Wiederaufführung von '2001 - Odysee im Weltraum' im Jahr 2001 geschehen.
Beachten Sie daher, das Kinos mit einem 70mm-Projektor fast ausschließlich 35mm-Filmkopien
abspielen. |
 |
Das 1970 entwickelte IMAX-Filmformat
und die dazugehörigen Abspielorte nehmen auf dem Kinomarkt eine Sonderstellung ein. IMAX
entspricht mehr einer Jahrmarktsattraktion, die die Zuschauer in der Regel stärker durch
die Technik als durch den Film lockt. Die Bildfläche ist zehnmal größer als
beim Standard 35mm-Film und ermöglicht so eine klare und gestochen
scharfe Bildprojektion auf Leinwänden mit Größen von über 500qm. Das gesamte
Blickfeld wird durch eine Flach- oder Kuppel-Leinwand als auch durch die relativ nahe Sitzposition
abgedeckt. Die Rezeption ist daher für das Auge wesentlich anstrengender, was bei Konzeption
und Bildästhetik von IMAX Filmen beachtet werden muss.
Den ersten 3D-Film im IMAX-Filmformat gab es 1986 und
im Juni 2008 startete das 'IMAX digital
system', welches sowohl Filme im 'IMAX' als auch 'IMAX 3D'-Format digital
projiziert.
In Berlin gibt es kein IMAX-Kino mehr. Von Oktober 1998 bis Juli 2006
gab es das Discovery Channel IMAX-Theater Berlin und
von Januar 2000 bis März 2011 das CineStar
IMAX-Theater Potsdamer Platz. Beide Kinos spielten analog. Aber im ehemaligen IMAX-Saal
des CineStar
EVENT Cinema sind die 40minütigen IMAX-Dokufilme nicht gänzlich
aus dem Programm verschwunden. |

2D Projektorraum im 'Discovery Channel IMAX-Theater', undatiert
© Thomas Goethe |
| |
Die bis dato über 200 Filme speziell für das 'IMAX'- und 'IMAX 3D'-Format produzierten
Filme sind größenteils thematisch dem Dokumentarfilm angelehnt, fallen aber hauptsächlich
durch Ihre unkritische Haltung auf. So setzen die mit großem Aufwand entstandenen Filme
(vom Meeresboden über den Mount Everest bis zum Weltall wurde alles aufgenommen) hauptsächlich
auf die vordergründigen Schauwerte.
In den USA ist es zu einem Trend geworden reguläre Spielfilme auch für das IMAX-Filmformat
aufzubereiten. Die beiden Animationsfilme 'Fantasia 2000' (2000) und 'Shrek' (2001) nutzen
erstmalig das IMAX-Format bevor sie mit regulären Kopien im Kino starteten. Nur wenige
Jahre später wird fast jeder große (meist familientaugliche) Blockbuster auch als
'The IMAX Experience' gestartet. Eine komplette Auflistung aller IMAX Filme, als auch Spielfilme
die als 'The IMAX Experience' gestartet wurden, finden Sie auf der ofiziellen IMAX-Homepage. |
| Einleitung digitale Projektion
- D-Cinema |
|
 |
Die ersten regulären digitalen Projektionen
(mitlerweile 'D-Cinema' genannt) fanden im Winter 1999 mit der Aufführung von 'Toy
Story 2' und 'Bicentennial Man' in zwölf US-Kinos statt. Die Projektoren nutzten die von
'Texas Instruments' entwickelte Digital Light Processing (DLP)
Technologie. In Deutschland folgten im Juli 2000 mit 'Fantasia 2000' und im Dezember 2000 mit
'Dinosaurier' die ersten Filme als digitale Kopie. Diese wurden ebenfalls mit der 'DLP' Projektionstechnik
(unter anderem im Zoo Palast Saal 1) vorgeführt.
Doch 'DLP' ist nicht die einzige digitale Projektionstechnologie. Daneben gibt es noch von
Sony 'SXRD' (Silicon X-tal Reflective Display)-Projektoren, von JVC 'D-ILA' (Digital Direct
Drive Image Light Amplifier)-Projektoren, Laser-Projektoren und andere Systeme, die aber bis
dato nicht soweit verbreitet sind wie 'DLP'. |
 
CHRISTIE digital Projektor mit 3D-'MasterImage' System im 'Astra Filmpalast'
Kinofilm auf Festplatte im Schutzkoffer, Mai 2010 © kinokompendium |
| |
Um allgemeine technische Standards festzulegen gibt es mehrere Zusammenschlüsse. Unter
anderem die im März 2002 gegründete 'Digital Cinema Initiatives (DCI)', ein Zusammenschluß von
Disney, Fox, Paramount, Sony Pictures Entertainment, Universal and Warner Bros.
So wurde von 'DCI' die Datenkompression 'Motion JPEG 2000' festgelegt. Die Master-Auflösung
kann 2K oder 4K und beim 3D-Format 2K betragen (2K = 2048 x 1080 Pixel mit
24 oder 48 Bildern pro Sekunde; 4K = 4096 x 2160 Pixel mit 24 Bildern pro Sekunde). Je nach
Kamera und Projektor werden niedrigere Auflösungen festgelegt. So ist eine gute digitale
Projektion (die die adequate und bessere Qualität eines 35mm-Films haben soll) nur im
Zusammenspiel eines hochwertigen Projektors und einer hochwertigen digitalen Filmkopie möglich. |

Steueroberfläche eines digitalen Projektors,
Juli 2010
© kinokompendium |
| |
Dem Kino kann der Film nun auf unterschiedliche Arten geliefert werden. Entweder als Hardware
auf einem Wechselmedien oder als Software per Datenleitung oder Satellitenverbindung. Auch
bei der digitalen Projektion gelten die Bildformate wie bei 16mm
und 35mm Filmprojektionen.
Im Kinokompendium erhält ein Kinosaal mit digitaler Projektion ein 'D-Cinema' Logo, sofern
der Projektor den 'DCI' Mindeststandard von einer 2K-Auflösung erfüllt. |
| Beamer (unter 2K-Auflösung) |
|
 |
In vielen Kinos wird neben einem analogen Projektor
ein zusätzlicher Beamer genutzt. Damit können Filme zum Beispiel von einem Band,
einer Disc oder einem Wechselmedium abgespielt werden, für den Fall, dass der Verleih
keine analoge Filmkopie bereit stellt. Die Qualität der Projektion kann dabei stark variieren,
abhängig von der Quälität des Beamers und der Aufbereitung der Filmquelle. Somit
kann rein theoretisch die Qualität im HDTV-Format (1080 Zeilen) erreicht werden.
Im Kinokompendium erhält ein Kinosaal mit Beamer dieses Logo. Dieses Logo bedeutet
eine digitale Projektion die den DCI Mindeststandard
von einer 2K-Auflösung nicht erfüllt. |
| Digital Light Processing (DLP) |
|
 |
Das von Texas Instruments entwickelte
'Digital Light Processing (DLP) Cinema' setzte Ende der 90er einen neuen Standard und wird
von diversen Herstellern in digitale Kinoprojektoren eingebaut.
In dem Projektor
befindet sich ein 'Digital Micromirror Device' (DMD)-Chip , der aus Millionen elektrostatischer
Minischalter besteht, die jeweils die
Stellung eines winzigen Spiegels (bis zu 5000 Mal pro Sekunde) kontrollieren. Jeder Spiegel
erzeugt, angestrahlt durch eine Lichtquelle, auf der Leinwand einen Pixel. Durch
den Grad in dem jeder Spiegel gekippt ist, wird die Intensität des Bildpunktes beeinflußt.
In jedem Projektor sind drei DMD-Chips für je eine Grundfarbe (Rot, Grün und Blau)
mit denen sich alle Farbtöne kombinieren lassen.
Die
ersten DMDs hatten 1,3 Millionen Spiegel (das ergibt eine Auflösung von 1280
x 1024 Pixel). Ein Projektor mit einer 4K Auflösung benötigt also 8,8 Millionen Spiegel.
So hatten die Spiegel im ersten Modell eine Kantenlänge
von 16 Mikrometer (ein Fünftel eines menschlichen Haares). |
 |
Um einen Film in 3D zu produzieren bedarf
es in der Regel einer Spezial-Kamera mit zwei nebeneinander liegenden Objektiven um simultan
ein seperates Bild für das linke und rechte Auge aufzunehmen.
Erst in der digitalen Produktionsphase war es auch möglich aus regulär produzierten
Filmen eine 3D-Darstellung im Nachhinein zu errechnen. Dies geschieht vor allem bei vielen
Animationsfilmen und mehr oder minder erfolgreich bei Realfilmen: Zum Beispiel 'Superman
Returns' (2006), 'Harry Potter and the Order of the Phoenix' (2007), 'Alice in Wonderland'
(2010), 'Clash of the Titans' (2010), 'Thor' (2011) und viele mehr.
Um den Film wieder in 3D zu projizieren war der Aufwand im analogen Zeitalter hoch,
da die Kinosäle mit zwei synchron laufenden Projektoren
ausgerüstet, und natürlich auch immer mit zwei Filmkopien beliefert werden mussten.
So was bedeutet natürlich höhere Kosten für das Kino und auch den Verleih.
Schon im 19. Jahrhundert, in den Anfängen der Filmgeschichte, gab es kurze Filme / Tests in 3D. 'The Power of Love', den ersten 3D-Langfilm, gab es 1922. Hierfür wurde das anaglyphe Verfahren verwendet. Hierbei
werden die Bilder für das linke und rechte Auge parallel von zwei Projektoren auf die
Leinwand projiziert. Beide Teilbilder werden für das jeweilige
Auge (in der Regel) in rot bzw. grün oder blau eingefärbt.
Der Zuschauer muss nun eine Brille mit einer entsprechend roten Folie vor dem einen und einer
grünen oder blauen
Folie vor dem anderen Auge aufsetzen um das Bild dreidimensional wahrzunehmen.
Der Nachteil ist, dass man die Filme nur in schwarzweiß sieht. |

3D Pappbrille (rot / blau) für das anaglyphe Verfahren, Mai 2009 © kinokompendium |
| |
Daneben wurde aber auch die Polarisationstechnik mit
einer Polfilterbrille entwickelt. Hierbei werden die Bilder für das
linke und rechte Auge parallel von zwei Projektoren projiziert. Vor den Projektionsobjektiven
und in den Polfilterbrillen befinden sich jeweils um 90° versetzte
Polfilterfolien. Dadurch wird erreicht, dass das linke Auge nur das linke Bild und das rechte
Auge nur das rechte Bild sieht.
Der Vorteil ist, dass man nun den Film in natürlicheren
Farben sieht. Der Nachteil ist aber, dass die Polfilter das Licht stark absorbieren, was durch
entsprechend helle Xenonlampen im Projektor und den Einbau einer besonders beschichteten Silberleinwand,
die das Licht stärker reflektiert, ausgeglichen werden muss. Als Faustregel, je mittiger man
zur Leinwand sitzt, desto heller, je seitlicher man sitzt, desto dunkler wird das Bild. Auch
den Kopf darf man nicht zu stark neigen, da sonst die 3D Darstellung nicht funktioniert. |

Polarisationsbrille für 'RealD' Vorführungen, Juni 2009 © kinokompendium |
| |
Neben dem oben beschriebenen anaglyphen
Verfahren und der Polarisationstechnik
wurde ab Mitte der 1980er auch die Shutterbrille Serienreif:
Die Shutterbrille hat LCD-Gläser, die über Infrarot mit dem Projektor synchronisiert
werden. Der Projektor projizierte abwechselnd ein Bild für das linke und rechte Auge auf
die Leinwand. Die Brille macht parallel das jeweilige LCD-Brillenglas lichtdurchlässig
bzw. undurchlässig. Dies geschieht 96 Mal in der Sekunde, damit das Bild flimmerfrei bleibt,
und die Zuschauer keine Kopfschmerzen bekommen. Vorteil ist das die Brille kein Licht absorbiert
und daher auch keine besonders beschichteten Silberleinwand benötigt wird. Kleiner
Nachteil ist aber das Gewicht der Brille und die Kosten gegenüber einer
Polfilterbrille. So wurde die Shutterbrille im neuen Jahrtaused im Kinogeschäft überwiegend
von der Polfilterbille vom Kinomarkt verdrängt.
In Berlin nutzt seit März 2010 das Filmtheater
am Friedrichshain das
Shutter-System von 'XPAND 3D'. |

Filmplakat Bwana Devil (1952) & Jaws 3-D (1983) © Verleih |
| |
Mitte der 50er gab es die erste kurze
Hochphase von 3D-Filmen im 35mm-Format, die mit dem Film 'Bwana Devil'
1952 startete. Bekannteste Werke aus dieser Phase dürften 'It came from Outerspace', 'Dial
M for Murder', 'House of Wax' und 'Creature from the Black Lagoon' sein. In dieser Phase
wurde überwiegend die Polarisationstechnik genutzt.
1955 wurden bei der Fortsetzung von 'Creature from the Black Lagoon', 'Revenge of the Creature',
erstmalig die Teilbilder im anaglyphen Verfahren zusammen auf ein Filmbild kopiert, welches
den Vorteil hatte, das Kinos mit einem Projektor den Film in 3D zeigen konnten. Doch da war
die 3D-Phase im Prinzip schon wieder vorbei.
Vor allem Anfang der 1980er kehrte im
anaglyphen Verfahren 3D noch mal kurz
auf die große Leinwand (zum Beispiel 'Jaws 3D') und parallel ins Fernsehen zurück,
bevor es mehr oder weniger in der Versenkung verschwand.
Fast nur Vergnügungsparks und vor allem IMAX nutzten 3D in den 1990ern. |

Filmplakate die ihren Charakteren eine Polarisationsbrille aufsetzen:
Chicken Little (2005) & The Nightmare Before Christmas (2007 3D-Rerelease) © Verleih |
| |
Mit der weitreichenden Einführung der digitalen Produktions- und Projektionstechnik wurden
seit dem Jahr 2002 vermehrt Spielfilme in 3D produziert: Unter anderem 'Spy Kids 3D: Game Over'
(2003 Kino), 'The Polar Express' (2004 IMAX), 'Meet the Robinsons' (2006 Kino) und 'Beowulf'
(2007 Kino & IMAX). Doch zu dem Zeitpunkt waren in Deutschland kaum Säle ausgerüstet
um die Filme tatsächlich in 3D zu präsentieren.
Seit 2007/08 nahm die Produktion von Filmen in 3D richtig schwung auf. Unter anderem investierte
der Regisseur James Cameron mehrere Jahre um die 3D Technik nach eigenen Angaben "zu revolutionieren".
Sein langerwarteter Film 'Avatar' brach im Dezember 2009 die damaligen
Kassenrekorde. Andere Firmen (Dreamworks Animation) wollen ihre Filme nur noch in 3D produzieren. |
 
Monsters vs Aliens (2009) & Toy Story 3 (2010) © Verleih |
| |
Hierzu trägt vor allem die weiterentwickelte Polarisationstechnik bei.
Unter dem Titel 'RealD' (oder in Deutschland auch 'Tru3D' genannt) projiziert nur noch ein
digitaler Projektor abwechselnd das Bild für das linke und
rechte Auge, jeweils 72 Bilder/Sekunde pro Auge, also 144 Bilder/Sekunde (6x soviele Bilder/Sekunde
wie bei einem herkömmlichen Film, der mit 24 Bilder/Sekunde projiziert wird). Die Projektoren
und Polfilterbrillen nutzen die Zirkularpolarisation, die den Vorteil hat, das man auch bei
geneigtem Kopf den Film immer noch in 3D sieht. Der erste Spielfilm, der in 'RealD'
ins Kino kam, war 'Chicken Little' im Jahr 2005.
Aber zu 'RealD' gibt es auch alternative Systeme, wie zum Beispiel 'MasterImage',
dessen mobiles 3D-System im Astra Filmpalast zur Anwendung
kommt (siehe Foto D-Cinema). |

'RealD XL' lässt sich auf einer Schiene beiseite schieben,
für Vorführungen
des digitalen Projektors ohne 3D im 'UCI am Eastgate', Juli 2010 © kinokompendium |
|