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Jacques Haik kaufte 1930
das Land am Boulevard Poissonnière und ließ in zwei Jahren Le
Grand Rex, das größte Filmtheater der Stadt mit ursprünglich
3.200 Sitzen erbauen. Während im Erdgeschoss für alle Eventualitäten
eine 'Erste Hilfe', eine 'Polizeiwache', ein 'Babysitter-Raum' und einen 'Hundezwinger'
zur Verfügung standen kümmerten sich 80 Platzanweiser um die Gäste
im Saal. Zur Eröffnung des 'Grand Rex' am 8. Dezember 1932 untermalte ein
40-Mann starkes Orchester 'The Three Musketeers' und machte den Abend zu einem
großen gesellschaftlichen Ereignis. Doch auch das reguläre Publikum
folgte in Scharen und bescherte dem Kino 1960 mehr Besucher als dem Louvre.
Während der Besetzung Frankreichs wurde das 'Grand Rex' deutsches Soldatenkino.
Nach der Befreiung der Stadt im Oktober 1944 wurde der Spielbetrieb, aufgrund
einer Strom-Einschränkung, unregelmäßig aufgenommen. Das Programm
bestand überwiegend aus amerikanischen Filmen und die ersten Besucher wurden
mit Kaugummi begrüßt. Doch das Publikum hatte neben ihren alltäglichen
Problemen vielleicht auch die Umwandlung in ein deutsches Kino noch nicht ganz
überwunden und kam zunächst nur zögerlich. Aber Attraktionen wie
eine Balletttruppe vor der Vorführung und Kassenschlager wie die 'Tarzan'
Filmreihe brachten die Kinogänger zurück. |

Le Grand Rex in der Bauzeit, um 1931 (links)
Kino mit Schriftzug deutsches Soldatenkino, um 1940-43 (rechts) © Le Grand
Rex |
Der ursprünglichen
Saal überstand die Dekaden ohne große Veränderungen, während
sich das Haus drumherum stark veränderte und selbstverständlich den
heute unvorstellbaren Service der 30er Jahre einbüßte. Das Kino wurde
1973 durch drei Säle (270 bis 500 Plätze) im Keller und einem Nachtclub
erweitert und 1986 erneut mit vier Säle (100 bis 155 Plätze) in einem
Anbau vergrößert. Mitte der 90er folgte die Multimedia-Besichtigungstour
'Les Etoiles du Rex', während der man 'Le Grand Rex' hinter den Kulissen
erlebt.
Pläne das bestehende Kino in ein 15 Saal Multiplex zu transformieren und
die alten Säle von 1973 bzw. 1986 zu modernisieren (der große Saal
bliebe unverändert) gerieten im Jahr 2001 durch einen Streit zwischen dem
Betreiber und der Stadt über eine Tiefgarage ins stocken. |
 
Le Grand Rex Fassade bei Tag, Oktober 2000 (links)
Le Grand Rex Fassade bei Nacht, Oktober 2006 (rechts) © kinokompenium |
Das 'Grand Rex' ist mit
seinen heute 2750 Sitzplätzen nicht nur eines der letzten De Luxe Kinopaläste
Europas, sondern auch ein Unikat aus einer längst vergangenen Kinoepoche.
Anfang der 1920er bildete sich, mit wachsender Beliebtheit des neuen Mediums Film,
eine Hierarchie von Filmtheatern (durch Größe und Ausstattung definiert),
die durch die Verleihpolitik der Filmstudios bestimmt wurde. De Luxe / Erstaufführungstheater
erhielten das Privileg, die neuesten Filme exklusiv zu spielen, ohne das ein Konkurrent
in unmittelbarer Nähe den selben Film präsentierte. Nur so kann man
sich die heute unvorstellbaren Laufzeiten von einem Film von teilweise mehreren
Jahren vor ausverkauftem Haus erklären.
Zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich auch eine eigenständige Architektur
der De Luxe Kinos, bei dem sich zwei Typen herauskristallisierten. Zu einem die
Palast ähnlichen Häuser denen man teilweise noch stark den Ursprung
der Opernhäuser anmerkte. Diese wurden unter anderem angelehnt im Rokoko
oder Barrock (bspw. 'Los Angeles Theater') gebaut, aber auch exotischere Einflüsse
wie Ägypten (bspw. Egyptian Theatre)
und Asien (bspw. Chinese Theatre)
dienten als Inspirationsquelle.
Der zweite Typ der De Luxe Kinos war die 'atmosphärische' Bauweise, bei der
der Saal ein Amphitheater im Freien imitierte und die Decke den Himmel in einer
sternklaren Nacht simulierte. |

Saal 1 mit 'atmosphärischer' Architektur, um 1993
© Le Grand Rex |
Das 'Grand Rex' wurde von
dem Architekten John Eberson erbaut, der allgemein als der Begründer der
'atmosphärische' Bauweise in Amerika angesehen wird. Es gehört heute
zu einer der noch wenigen existenten Kinos mit 'atmosphärischer' Architektur
und ist das letzte Kino Frankreichs in dem noch beide Balkone erhalten sind. Das
Parkett mit 950, der erste Rang mit 500 und der zweite Rang mit sage und schreibe
1300 Sitzplätzen ist von einer Häusersilhouette umgeben, deren geographischer
Ursprung nicht klar definiert ist, von der aber ein mediterranes Flair ausgeht.
Die Saaldecke besteht aus tausenden funkelnden Sternen und lässt es, egal
zu welcher Tageszeit, Nacht sein.
Die Bühne ist von einem gelben Bogen überspannt. Darunter hängt
der beige Vorhang hinter dem sich die 17x 8,5m Leinwand befindet. Die Bühne
wird seit Jahrzehnten einmal jährlich vor Weihnachten für eine exklusive
Disney Show genutzt, so wie es auch im 'El Capitain' in Hollywood geschieht. Zusätzlich
erleben dann die Zuschauer 'Féerie des Eaux', eine spektakuläre Wassershow,
ähnlich dem Wasserspiel vor dem 'Bellagio' Hotel in Las Vegas.
Mit stark aufkommender Konkurrenz Ende der 80er Jahre wurde im Saal eine zusätzliche
Leinwand (25 x 11m) installiert, die zwischen der Bühne und den Rängen
an der Decke aufgehängt ist und 'Grand Large' genannt wird. Sie wurde mit
Luc Bessons 'Im Rausch der Tiefe' eingeweiht und rollt sich leise nach der Werbung
(die auf der regulären Leinwand gezeigt wird) ab. Während Vorführungen
in 'Grand Large' ist ausschließlich der zweite Rang geöffnet, da der
Blick für den Zuschauer auf die Riesenleinwand vom Parkett bzw. ersten Rang
zu steil nach oben ist. Das 'Grand Rex' ist mit Dolby Digital und dts ausgestattet
und kann auch Filme in 70mm präsentieren.
Unabhängig vom Film sollten Sie dem 'Grand Rex' bei Ihrer nächsten Parisreise
unbedingt einen Besuch abstatten um den Glamour und Luxus mit eigenen Augen zu
erleben.
[Ben 10'06]
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Blick auf die Ränge im Saal 1, um 1993 © Le Grand
Rex |
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