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| Kaum ein weiteres Kino wurde
so stark zum Symbol und Wahrzeichen eines Ortes wie das 'Chinese Theatre' für
Hollywood. Das liegt natürlich nicht nur an seiner außergewöhnlichen
Architektur sondern vor allem an seinem Vorplatz, an dem bisher an die 200 Filmstars
Ihre Hände, Füße und in einem Fall sogar Nase in Zement verewigt
haben. |
 
Die ersten Fußabdrücke von Mary Pickford, Douglas
Fairbanks & Sid Grauman, 1927 (links); historische Saalaufnahme, undatiert
(rechts) © Chinese Theatre |
Das 'Chinese Theatre' war
das letzte Kino des berühmt berüchtigten Unternehmers und Entertainers
Sid Grauman (1927 Mitbegründer der 'Academy of Motion Pictures Arts and Sciences'
und 1948 ausgezeichnet mit einem Ehrenoscar). Geboren in 1879 ist seine Familie
kurz nach seiner Geburt zunächst nach Colorado und anschliessend Alaska gezogen,
wo der Vater an dem Goldrausch profitieren wollte. Hier begann Sid in jungen Jahren
kleine Variete Programme im Ort zu organisieren und entdeckte sein Talent andere
Leute zu unterhalten. Als seine Eltern Alaska verließen blieb er noch ein
Jahr und folgte ihnen um ca. 1900 nach San Francisco.
Dort sah er erstmalig eine Kinovorstellung. Er konnte seinen Vater überzeugen
in das relativ neue Medium zu investieren und selbst ein Kino zu eröffnen.
Das Programm bestand (wie zu damaligen Zeiten fast überall üblich) aus
Filmen und aus Live-Einlagen von Musikern, Tänzern usw. Sein erstes Kino
'Unique' war ein großer Erfolg und wenige Jahre später baute Grauman
sein zweites Kino 'Lyceum'. Als beide Kinos bei dem großen Erdbeben von
1906 zerstört wurden, nahm Grauman nach nur wenigen Tagen den Betrieb in
einem alten Zirkuszelt wieder auf. Der Erfolg war grandios und Grauman expandierte
den Kinobetrieb nach New York. 1917 entschied er sich alles zu verkaufen und noch
mal in Los Angeles neu zu starten.
Sein Ruf ist Grauman schon vorausgeeilt. Unter großem öffentlichen
Interesse wurde in Downtown L.A. am 1. Februar 1918 mit 'Million Dollar' das zu
dem Zeitpunkt größte und pompöseste Kino (2345 Sitzplätze)
der Westküste eröffnet. (Seit 1999 ist es wieder ein Theater, nachdem
es für eine Dekade als Kirche genutzt wurde). Zu den Ehrengästen bei
der Eröffnung zählten u.a. Charlie Chaplin und Douglas Fairbanks.
Kurz darauf baute er das seit 1910 bestehende 900 Sitzplatz 'Rialto' Theater um
(heute steht nur noch die Fassade) und 1922 expandierte er erstmalig in einen
kleinen Vorort Namens Hollywood, mit dem Kinopalast Egyptian
Theatre.
In dem selben Jahr eröffnete er sein letztes Kino in Downtown. 'The Metropolitan'
war mit 3485 Plätzen das größte und teuerste Kino der Westküste
aller Zeiten. |

Aussenaufnahme mit Charlie Chaplin Performer, Februar 1999
© kinokompendium |
Sid baute 1927 'Grauman's
Chinese Theatre' im Herzen Hollywoods - sein letztes Filmtheater, unweit von dem
'Egyptian Theatre'. Obwohl Sid Grauman nie der alleinige Besitzer war, trug es
doch durch und durch seine Handschrift. Er besaß ein drittel der Anteile
die er schon 1929 an die 'Fox West Coast Theatres' verkaufte. Die anderen Anteile
teilten sich seine Partner Howard Schenck, Mary Pickford und Douglas Fairbanks
Sr. Bis zu seinem Tod 1950 blieb er Leiter des Kinos und sein Name wurde bis 1958
genutzt. Mit der Übernahme des Kinos 1973 durch Ted Mann (der erste alleinige
Besitzer) wurde es in 'Mann's Chinese Theatre' umgetauft.
In den 80ern wurden zwei zusätzliche kleinere Säle mit 750 Plätzen
neben das Hauptgebäude gebaut, die allerdings 1999 geschlossen waren. Anfang
2000 gingen die 'Mann's Theatres' Bankrott und eine Holding, die Paramount und
Warner Bros Studios gehört, kaufte die gesammte Kette inklusive dem 'Chinese
Theatre'. Nebenan wurde derweil ein neuer Büro- und Entertainmentkomplex
gebaut, in dem auch seit 2002 die Oscar Verleihung stattfindet.
Doch selbst nach 70 Jahren kann man das Kino nahezu in seinem Originalzustand
bewundern, 'natürlich' mit neuesten 70mm Projektoren und THX zertifizierter
Digitaltontechnik. Das Äußere des Kinos ist einer chinesischen Pagode
nachempfunden. Zwei Himmelshunde bewachen den Eingang um böse Geister abzuhalten
und ein großer Drache schlängelt und windet sich auf der Fassade. Kleinere
Drachen verzieren das Dach und die Neonleuchtschrift. Durch den ovalen Vorhof,
entlang der Fuß- und Handabdrücke, zieht sich ein überdachter
schmaler Durchgang zum Eingang. So ist es auch kein Wunder, dass das Kino selber
zur Filmkulisse wurde und z.B. für 'Singing in the Rain', 'Speed' oder 'Mighty
Joe Young' als Drehort genutzt wurde.
Das Foyer ist mit dicken Orientteppichen ausgelegt und Wandbemalungen stellen
das Leben im Orient dar. Rote und goldene Säulen, ein riesiger verzierter
chinesischer Lüster, große Vasen und Urnen, die Statue eines chinesischen
Philosophen sowie die drei in einer Ecke stehenden, in üppigen chinesichen
Gewänder gekleideten Wachsfiguren unterstreichen den chinesischen Charakter
des Raumes.
Der riesige Saal ist mit 2200 roten Samtsesseln und einem roten Teppich ausgestattet.
An der Mitte der Decke hängt ein großer Leuchter der ein verziertes
sternförmiges Deckenornament beleuchtet, um die sich in einem Kreis Drachen
schlängeln. Kleinere orientalische Lampen hängen an den Wänden
zwischen gravierten Steinsäulen. Die Zwischenräume sind mit schwarzweiß
Wandbemalungen von Bäumen und Pagoden verziert. Im hinteren Teil des Saals
sind vier Logen integriert. Asiatische Statuen, Gongs und Vasen tragen zusätzlich
zum exotischen Gesamteindruck bei. |

Abdrücke von Clint Eastwood, Harrison Ford, dem Star
Wars Ensemble und George Lucas & Steven Spielberg (von rechts oben im Uhrzeigersinn)
© kinokompendium |
| Jedoch sehen sich die meisten
Besucher (neben 'Disneyland' zieht das 'Chinese Theatre' die meisten Touristen
an) nicht das Kino von innen an, sondern bewundern die ca. 200 Hand- und Fußabdrücke
der Stars im ovalen Vorhof. Über die Entstehung der Zeremonie ranken sich
verschiedene Legenden, sicher hingegen ist, dass Mary Pickford, Douglas Fairbanks,
Sid Grauman selber und Norma Talmadge 1927 die ersten waren, die Ihre Hände
in den Zement gedrückt haben (siehe Photo oben). Einige Abdrücke wurden
entfernt andere sind unter ominösen Umständen verschwunden (z.B. Charlie
Chaplins Abdrücke von 1928). Auch heute noch ist es eine große und
seltene Ehre in den Zement verewigt zu werden. Eine Auflistung aller Abdrücke
und kommender Zeremonien finden Sie auf der Homepage von Mann
Theatres.
[Ben 3'99]
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