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      Babylon Mitte
Saal 1 | 2 | 3
Zum Stadtplan
 Adresse
  Rosa-Luxemburg-Straße 30
10178 Berlin Mitte
(030) 242 59 69
Homepage
 Kinotag
  Einheitspreis
 Kartenpreis
  Mo-So:
6,50 €
 Kartenpreis Spezial
  Kinderkino: 4,00 €, Gruppen ab 10 Kinder 2,50 €
Mitglied im Freundeskreis 3,00 € (muss ein Babylon Mitte T-Shirt für 20,00 € tragen)
 Platzwahl
  Freie Platzwahl
 Programm
  Synchronfassung
Originalfassung
 Zugang
  Saal 1: Behindertengerecht
Saal 2: Behindertenzugänglich
Saal 3: nicht Behindertengerecht
5'09 Angaben ohne Gewähr
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 Beschreibung
Das fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus wurde nach Plänen des Architekten Hans Poelzig (Mitbegründer und Direktor des 'Werkbundes') erbaut und das Kino feierte 1929 seine Eröffnung mit dem Stummfilm 'Fräulein Else'. Das 'Babylon' gilt heute als Berlins einzig erhaltenes Uraufführungskino der Stummfilmzeit, obwohl bereits im Jahr der Eröffnung Tonfilmvorführungen stattfanden. Ebenso gab es alternativen Theater- und Kulturveranstaltungen der jüdischen Gemeinde im Programm. In der Zeit des Nationalsozialismus fungierte das Kino zwischenzeitlich als Zufluchtsort für Regimegegner. Eine Gedenktafel im Foyer des Gebäudes erinnert an den Filmvorführer Rudolf Lunau, der in dem Kino 1933/34 eine Widerstandszelle der 'KPD' gründete.

historische Aufnahmen der Fassade, 1950 (links) & 1951 (rechts)
© Berliner Filmkunsthaus Babylon e.V.
Bereits 1948, vom Krieg nur leicht beschädigt, konnte das Filmtheater (nach seiner kurzen Zwischenfunktion als Versammlungsstätte) als 'Premierenkino' wiedereröffnen. In den achtziger Jahren entwickelte es sich zum einzigen Ostberliner 'Kunstkino' und seit 1981 war es zusätzlich Spielstätte des staatlichen Filmarchivs der DDR. Anfang 1990 gründete der Architekt Joachim Roemer und der Filmwissenschaftler Rolf Richter den 'Berliner Filmkunsthaus Babylon Verein' und sorgte unter anderem für die Aufführung verbotener 'Defa'-Filme.

Fassade, Dezember 2007 © kinokompendium

Das 'Filmkunsthaus Babylon' wurde ab 1994 offiziell als kommunales Kino vom Verein für zehn Jahre geführt. Kommunales Kino erläutert der Bundesverband Kommunale Filmarbeit wie folgt: "Ebenso wie Literatur, Bildende Kunst und Theater sollen Filme jenseits kommerzieller Zwänge allen zugänglich sein. Wie Büchereien, Opernhäuser und Museen sollen Kinos ihren festen Platz im öffentlichen Leben haben - auch mit öffentlicher Förderung." Das Motto des Bundesverbandes "andere Filme anders zeigen" zeigt sich im Programm wieder (das bedeutet unter anderem täglich wechselnde, filmgeschichtlich bedeutsamen oder anspruchsvollen Filme die möglichst in ihrer Originalfassung gezeigt werden sollen, sowie das Entwickeln eigener Filmreihen).
Ende 2004 suchte der Senat nach einem neuen Betreiber des Kinos. Grund war das Defizit im Etat und der Wunsch des Senats einen Betreiber zu finden der das kommunale Kino mit dem Zuschuss der damaligen Höhe von 320.000 Euro führt. Nicht nur das machte Schlagzeilen in der Tagespresse und den Stadtmagazinen sondern auch die darauf folgende Ausschreibung und Vergabe im Jahr 2005. Nachdem die 'Kino und Konzerte GmbH' (Gründung und Leitung des Museumsinselfestivals bis 2003 und Betreiber des seit 2007 geschlossenen Balázs) den Zuschlag mit einem Mischkonzept aus kommunalem Kino (nicht kommerziell) und Programmkino (kommerziell) erhielt, gingen einige der anderen Bewerber gerichtlich gegen die Entscheidung vor, da sie von der Möglichkeit ein Mischkonzept einzureichen nichts wussten. Der Urteilsspruch führte zur erneuten Aufnahme der Ausschreibung, aus dem wiederum die 'Kino und Konzerte GmbH' als neuer Betreiber hervorging.


Fassade, Dezember 2007 © kinokompendium

Seit Mai 2005 wird das von 'Filmkunsthaus Babylon' in 'Babylon Mitte' umbenannte Kino mit diesem neuen Mischkonzept bespielt. Die Änderungen gegenüber dem früheren Programm war am Anfang deutlich erkennbar: Zum Beispiel gab es neben Filmen abseits vom Mainstream nun auch Erstaufführungen. Doch nach wie vor gibt es im 'Babylon Mitte' ein sehr engagiertes Programm, mit Stummfilmkonzerte und diverse Filmfestivals. Filmreihen und große Retrospektiven runden das Programm ab. Hierzu schreibt uns der Geschäftsführer Timothy Grossmann im Dezember 2007 "Unser Konzept hat auch nicht das Kommunale halbiert, sondern gestärkt. Es ist am Ende viel mehr kommunales Kino herausgekommen, mit mehr unterschiedlichen Filmen..." und nennt gleichzeitig die gestiegenen Besucherzahlen "von etwa 40.000 im Jahr 2004 auf nunmehr knapp 120.000 im Jahr 2007".


Neonschrift, Dezember 2007 © kinokompendium

Leider muss durch den Mangel an noch guten bzw. überhaupt existierenden Filmkopien, gerade bei Filmen die älter als 20 Jahre sind, vermehrt auf DVD-Projektionen zurückgegriffen werden. Einen gesonderten Hinweis im Programmheft gibt es dazu leider nicht. Ein weiteres Manko bei der Programmwerbung ist die fehlende Anzeige, welcher Film in welchem Saal gespielt wird. Auch wenn man versucht ein paar Tage vorher die Information an der Kasse zu erhalten, können einem die Mitarbeiter häufig nicht helfen.


Kassenbereich im kleinen Zwischenfoyer, Juni 2001 © kinokompendium
Die drei Doppeltüren an der Rosa-Luxemburg-Straße führen in ein kleineres Zwischenfoyer, in dem sich links und rechts kleine Kassenhäuschen befinden, die bei großem Andrang geöffnet sind. Braune Steinwände mit abgerundeten Ecken setzen den Kontrast zum hellen Boden und zur hellen Decke. Drei weitere Flügeltüren führen ins großzügige Foyer. Vier Stufen führen hinab zum großzügig geschwungene Garderoben- und Snacktresen und zwei Treppen führen hoch zum Rang. Für den architektonisch interessierten Cineasten gibt es im 'Babylon Mitte' viel zu sehen.

[Chr & Ben 1'07]


Foyer mit Treppenaufgang zum Rang, Juni 2001 © kinokompendium
Saal 1
Bestuhlung Leinwand Projektion Tonsystem
Parkett: 385 Rang: 52
Reihen: 17
13 x 7m
16mm Theater35mm TheaterBeamer Dolby Digital
Der große Saal bietet über 400 Zuschauern Platz und wurde zuletzt von 1994 bis 2001 vom Architekt Klaus Meyer-Rogge gelungen saniert und rekonstruiert. Als im Sommer 1994 ein Dachbinder anbrach und der Einsturz des Zuschauersaals drohte, wurde der große Saal von der Bauaufsicht geschlossen und das Programm provisorisch im Foyer fortgesetzt. In fast sieben Jahren Umbauzeit investierte man über 10 Millionen Mark (ca. 5,13 Millionen Euro). Zuerst öffnete am 4. Januar der neue Saal 2 (ehemals 'Studiokino') und am 4. Mai 2001 Saal 1 (ehemals 'Großer Saal').


Babylon Saal, 1928 © Architekturmuseum TU Berlin Inv. Nr. F 1795 & F 1789
Natürlich waren die vorhandenen Pläne des Architekten Hans Poelzig Grundlage für die Sanierung des Hauses. Der Saal wurde aber nicht nach dem ursprünglichen Zustand aus dem Baujahr 1928/29 saniert. Grundlage für die Sanierung des großen Saal war der Stil 'Barock mit Goldleiste' (Bezeichnung durch Klaus Meyer-Rogge). Diese Form stammt aus dem Jahr 1948, nachdem die sowjetischen Besatzer das Kino umbauen ließen. Der im Juni 1936 verstorbene Hans Poelzig hat also mit dem jetzigen Aussehen des Saals nur bedingt zu tun.

Saal 1, Juni 2001 © kinokompendium
Der Saal, mit Rang und leicht ansteigendem Parkett, ist ganz in Gelb- und Beigetönen gehalten und besticht dabei durch eine elegante Linienführung, eine sehenswerte Einheit der Bauelemente an Wänden und Decke sowie eine dezente Beleuchtung. Zu bestaunen gibt es im Zuschauerraum u.a. einen Orchestergraben und freigelegte Goldverzierungen an der Decke. Einzigartig ist die 1999 restaurierte Philips-Kino-Orgel: Bestens für Stummfilme mit Orgelbegleitung geeignet, wird sie als einziges Instrument in Deutschland noch am Original-Standort betrieben.

Saal 1, Juni 2001 © kinokompendium
Eine spektakuläre Mechanik im Saal erlaubt den spontanen Wechsel zwischen zwei Leinwänden: Vor die 50er-Jahre-Projektionsfläche kann kurzfristig eine CinemaScope-Leinwand samt Lautsprecheranlage aus dem Boden gezogen werden. Zusätzlich wurde der Saal mit einem Vorhang ausgestattet, der allerdings auf einem etwas provisorisch wirkenden Schienengerüst bewegt wird.


Saal 1, Juni 2001 © kinokompendium
Die türkisen Sitze sind hingegen besonders schön und bequem geraten. Sie haben Flaschenhalter und hübsche runde Taschen- bzw. Jackenhalteknöpfe aus Holz an der Rücklehne. Im Jahr 2006 wurden drei Reihen entfernt um Saal 3 zu bestuhlen und Platz für Kinderwagen zu schaffen (für die Sondervorführungen 'Kinderwagenkino', in die junge Eltern mit kleinen Kindern ins Kino gehen können). Trotz der versetzten Anordnung der Stuhlreihen ist die Sicht auf die Leinwand bei ausverkauftem Haus miserabel, vor allem wenn man die Untertitel eines Films sehen muss.

[Chr 2'08]


Saal 1, Juni 2001 © kinokompendium
 
Leinwand / Projektion  sehr gut(CinemaScope) sehr gut
Sound  gut gut
Sitzkomfort  gut gut
Reihenabstand  sehr gut herausragend
Magic-Johnson-Faktor  annehmbar schlecht / mangelhaft
Lieblingsplatz  Reihe 10 Reihe 8, Platz 2
Atmosphäre  sehr gut gut
Saal 2
Bestuhlung Leinwand Projektion Tonsystem
Plätze: 68
Reihen: 7
5,5 x 2,5m
16mm Theater35mm TheaterBeamer Dolby-SR
Saal 2 wurde am 4. Januar 2001 eröffnet. Saal 2 & Saal 3 befinden sich im Bereich des ehemaligen Bühnenhauses. Obwohl man die Eintrittskarten für die kleinen Säle an der Kasse des Foyers kauft, sind die Säle von dort aus nicht zu betreten. Der Besucher muss dazu in die Hirtenstraße, zu einem seperaten Eingang.

Eingang zum Saal 2 & 3 in der Hirtenstraße, Dezember 2007 © kinokompendium
Hinter der Tür bietet sich dann kein Platz mehr für längere Aufenthaltsmöglichkeiten und nach zwei großen Schritten befindet man sich schon im Saal, den man von vorne, direkt neben der Leinwand, betritt (eine Verspätung schafft somit ungewollte Aufmerksamkeit).

Der Saal ist nicht größer als das für knapp 70 Plätze und sieben Reihen nötige Mindestmaß. Allein die hohe Decke verhindert beim Besucher ein Gefühl der Beengtheit. In seiner Farbgestaltung wirkt der Saal durch seinen grauen Teppich und die beige-graue Wandfarbe zwar recht trübe, dafür sorgen zwei Neonröhren hinter den gleichfarbigen Wandabspannungen für eine dezente und warme Beleuchtung und schaffen somit eine recht gemütliche Atmosphäre.

Saal 2, Juni 2001 © kinokompendium
Insgesamt bietet der Saal einen guten technischen Standard und funktionelle Ausstattung. Besonders die türkisen Sitze mit heller Holzrückenlehne und weichen Armlehnen sind wirklich hübsch anzusehen und sehr bequem. Wie in Saal 1 sind alle Stühle mit Flaschenhaltern ausgestattet. Die leichte Auframpung der Sitzreihen und die versetzte Anordnung der Sitze sorgen für eine weitgehend freie Sicht auf die Leinwand.

[Chr 1'07]

 
Leinwand / Projektion  gut gut
Sound  gut gut
Sitzkomfort  gut gut
Reihenabstand  gut annehmbar
Magic-Johnson-Faktor  gut annehmbar
Lieblingsplatz  Reihe 4 Reihe 6
Atmosphäre  annehmbar annehmbar
Saal 3
Bestuhlung Leinwand Projektion Tonsystem
Plätze: 37
Reihen: 5
5 x 2m
16mm Theater35mm TheaterBeamer Dolby-SR
Am 4. Januar 2006, genau vier Jahre nach der Eröffnung des Saal 2, wurde ein weiterer kleiner Saal über dem Saal 2 eröffnet. Somit muss der Zuschauer auch diesen Saal über den seperaten Eingang in der Hirtenstraße betreten.

Saal 3, November 2007 © kinokompendium
In diesen Saal wurden die Kinosessel aus den entfernten Reihen des Saal 1 eingebaut und das Wanddesign hat sich an den großen Saal angelehnt.

[Ben 11'07]


Saal 3, November 2007 © kinokompendium