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| Manche Menschen lassen die
laufenden Bilder einfach nicht los. Sicherlich gibt es in Berlin und Umgebung
eine Menge Filmfanatiker, die ihrem Hobby frönen oder sich einfach nur mal
entspannen wollen und einen schönen Film sehen möchten. Beim Kauf der
Karte und der notwendigen Snacks für die folgenden zwei Stunden, wird man
überwiegend von Jungen Menschen bedient, die man um Ihre Arbeitszeit bedauert
- denn schließlich können sie ja gar nicht ins Kino gehen. Bevor der
Saal dunkel wird, dreht man sich vielleicht noch einmal um, um durch ein kleines
Fenster in der Rückwand einen Schatten zu sehen der sich an dem Filmprojektor
zu schaffen macht, der einem gleich die 'Wunderwelten' zeigen wird. Derweil träumt
ein kleiner Teil des Publikums im Saal davon, selber mal beim Film zu arbeiten.
Und dann gibt es die kleine Anzahl von Menschen, so wie Uli Schmidt aus Oberfranken
- Jahrgang '66, der tatsächlich all das oben beschriebene macht. |

Uli Schmidt im Vorführraum des Berlinale Palast, Februar
2000 © kinokompendium |
Schon im Alter von 14 Jahren
erlernte er das Filmvorführen bei einem Wanderkinobetrieb und verdient sich
dort ein bißchen Taschengeld. Mit 18 durfte er dann zum ersten Mal in einem
richtigen Filmtheater arbeiten. "Am ersten Tag schaute ich dem Vorführer,
Herrn Eichhorst über die Schulter und er erklärte mir die ganze Technik.
Schon am zweiten Tag sollte ich unter seiner Aufsicht die Vorführungen alleine
durchführen. Er machte einen Schritt zurück und wäre mir im Falle
zur Hand gegangen. Da stand ich nun: Hauptfilm in den Projektor einfädeln;
Diawerbung mit Tonuntermalung und Filmwerbung starten; Vorhang, Gong und Saalbeleuchtung
beachten und schließlich den Hauptfilm starten. Ich war völlig im Streß
und der Schweiß stand mir auf der Stirn, strahlte aber über beide Ohren
als endlich der Hauptfilm lief. Da zückte Herr Eichhorst eine Schere und
sorgte für meinen ersten 'Filmriß'.
Am nächsten Tag hatte sich Herr Eichhorst krank gemeldet. Ich wurde von meiner
Chefin Smaragda Dengler gefragt ob ich mit der Vorführung klar käme
und nickte zögerlich. Als ich am Abend das Kino verließ stand Herr
Eichhorst am Ausgang und wartete auf mich. 'Schöner Film, sehr gute Vorführung.
Hat mir gefallen' sagte er. Von dem Tag an war ich Vorführer."
Bevor Uli 1986 nach Berlin kam, und seine Ausbildung zum Kameraassistenten an
der Fachschule für Optik und Fototechnik machte, arbeitete er in einem Kinocenter
mit drei Sälen und 1000 Plätzen als Filmvorführer. Alles noch Handarbeit
mit Überblendetechnik. Nach Anstellungen im Bundesplatz
Studio und Cosima jobbte
er 1987 im Zoo Palast für den Filmmarkt der 'Berlinale'. Uli wurde gefragt,
ob er nicht dableiben möchte. Seine Tätigkeit weitet sich auf den Gloria
Palast unter Herrn Hansmann und später auf die Häuser Astor und
'Lupe 1' aus. Aber der Filmpalast Berlin wird 'sein' Kino bei dem er das erlernte unter Herrn Hansmann
anwenden kann. Fast jährlich kehrt er zur 'Berlinale' zurück übernimmt von
1990 bis 1999 im 'Zoo Palast' Saal 1 die Vormittagsschicht des Wettbewerb. Hauptberuflich
ist Uli allerdings schon seit 13 Jahren Kameraassistent und hat schon an dem einen
oder anderen Kinofilm mitgearbeitet. Den Projektor im 'Filmpalast Berlin' bedient
er sporadisch immer noch an - mehr aus Leidenschaft. |

Filmpalast Berlin Saal, Januar 2002 © kinokompendium |
Eine Ausbildung gibt es
für Vorführer nicht mehr, aber damals wurden die Leute noch mit Sorgfalt
in Ihren Aufgabenbereich eingewiesen und durch Fortbildungen des Hauptverbandes
deutscher Filmtheater von erfahrenen Leuten weitergebildet. Die Leute kannten
sich mit den Maschinen aus und wußten welche Teile durch Verschleiß
wann ausgetauscht werden mußten. Die Vorführer waren festangestellt
und tüftelten an den Maschinen teilweise Jahre, bis endlich alles perfekt
war. Heute sieht das leider ganz anders aus. In vielen Kinos sind Studenten kurzfristig
angestellt und werden häufig von den drei Tage vorher angestellten Studenten
eingewiesen. In Multiplexen ist ein Vorführer zum Teil für bis zu neun
Säle zuständig, so dass kaum Zeit für irgendwelche Wartung oder
Feinheiten bleibt. So kann man sich heute nur noch schwer die personalintensive
Phase Anfang der 30er vorstellen. Damals gab es alleine für die Wiedergabe
der Filme im 'Gloria Palast' sechs Leute: 2 Vorführer, 1 Umroller, 1 Beleuchter
mit Bühnenmeisterprüfung und 2 Tonsteurer. Selbstverständlich muß
man dazu sagen, dass der 'Gloria Palast' zu den Tagen das Premierenkino schlechthin
war, und hier Filme unter Anwesenheit der Stars aufgeführt wurden mit Showeinlagen
vor dem Hauptfilm. Die heutige Sparpolitik läuft daher langfristig auf Kosten
der Technik und Qualität. "Sicherlich könnte ich euch innerhalb
von 4 Stunden zeigen, wie man einen Film vorführen kann", sagt Uli und
wendet gleichzeitig ein "aber man sollte daher auch zwischen Vorführern
und Filmeinlegern unterscheiden. Leider sterben die Vorführer aus und um
Nachwuchs kümmert sich keiner."
Viele werden sich jetzt sicher fragen, was man an einer Vorführung und den
Projektoren noch verbessern kann, besonders in den neuen Palästen, wo doch
alles auf dem neusten Stand ist. Wie bei einem Rennwagen kommt es aber auf das
Feintuning an.
"Bis ich 1987 in den 'Gloria Palast' kam, und dort meinen Vorführchef
Herrn Hansmann kennen lernte, dachte ich, ich wüßte alles was man über
das Vorführen wissen kann. Er belehrte mich eines besseren. Es war das Beste
was mir passieren konnte." Uli hat die perfektionistischen Fummeleien des
Herrn Hansmann übernommen, und schon mal mit einem Streifen Alufolie an der
richtigen Stelle im Projektor für ein überall scharfes Bild gesorgt
oder bei seinem heutigen Kino 'Filmpalast' der Projektionslampe mehr Saft zugeführt
damit sie eine stärkere Lichtleistung hat. Vor allem hält er die mittlerweile
rar gewordene 70mm-Projektion in Schuß.
"Der 70mm-Magnetton - war eine Erfindung der 50er Jahre - doch das Beste
was es je gab. Da hält bis heute kein Digitalton mit" schwärmt
Uli.
Über die Jahrzehnte hat sich seit dem Patent von Thomas Edison 1886 über
das damals genannte 'Vitascope', an dem Grundprinzip der Technik des Projektors
nicht viel verändert. Herzstück ist das 'Malteserkreuz', welches die
Drehbewegung des Motors in eine Schrittbewegung umwandelt. Diese wird auf ein
Zahnrad übertragen, welches den Film transportiert. Genau genommen anhält
und weiterbewegt. Die Leinwand wird für zweimal vier Hunderstelsekunden von
einem Standbild ausgefüllt und im Dunkel einer Blende zum nächsten weitertransportiert.
Dies passiert 24mal in der Sekunde. In den Anfängen der Filmaufführung
wurde der Film mit nur 16 Bildern in der Sekunde aufgeführt.
Eine große technische Erneuerung war die Einführung von feuerfesten
Filmmaterial aus Triazetat Anfang der 50er Jahre, welche den leicht entflammbaren
Film auf Nitrobasis ablöste. Eine weitere große technische Innovation,
war die Einführung von 500 - 6500 Watt starken, ca. 1000 - 3000 EUR teuren,
Xenon-Kurzbogen-Lampen in den 60ern, die die abbrennenden Kohlebogen-Stäbe
(die eine Haltbarkeit von nur ca. 30 Minuten hatten) in den Projektoren ersetzte.
Die Arbeit des Vorführers hingegen wurde immer weiter automatisiert und 'vereinfacht'.
Ein Spielfilm wird dem Kino auf mehrere Rollen verteilt angeliefert. Die Länge
pro Rolle beträgt max. 610m, welches 20 Minuten Film entspricht. Ein Spielfilm
besteht somit im Durchschnitt aus fünf bis sechs Akten. Bis zur Einführung
des Triazetatfilms wurde ausschließlich mit zwei Projektoren und somit Handarbeit
und Überblendetechnik gearbeitet, wobei die einzelnen Rollen in feuerfesten
Trommeln am Projektor ab- und aufgewickelt wurden. Jeweils ein Akt wurde in einen
Projektor eingefädelt. Für den Vorführer ist in der rechten oberen
Ecke des Bildes ein kleiner Kreis oder kleines Dreieck eingearbeitet, welches
jeweils sieben und eine Sekunde vor Ende der Rolle für eine sechstel Sekunde
lang eingeblendet wird. Dieses sind die Zeichen den zweiten Projektor zu starten
und zu überblenden. (Dieses Vorgehen wird einem auch in David Finchers Film
'Fight Club' anschaulich erklärt.) In der Zeit wo der Akt durchläuft
muß der Vorführer den kommenden Akt im freien Projektor einrichten
sowie die vorherige Rolle per Hand zurückspulen.
Nach Einführung des Triazetatfilms wurden die Maschinen mit Spulen ausgerüstet
die 1800m Film gefaßt haben. Das heißt, dass durch einen Projektor
nun drei Akte nonstop durchlaufen konnten, und in einem zweistündiger Film
nur noch einmal übergeblendet werden mußte. Dieses führte selbstverständlich
zur Personaleinsparung, da jetzt ein Filmvorführer mit dem richtigen Timing
bis zu drei Säle gleichzeitig bedienen konnte.
Der heutige Standard ist das ca. 1974 eingeführte Tellersystem - die Erfindung
eines Ravensburger Kinobesitzers. Mit diesem ist es möglich einen bis zu
vierstündigen Film ohne Überblendung aufzuführen. Drei Aluscheiben,
mit einem Durchmesser von ca. 1,5m, sind horizontal übereinander gelagert.
Auf einem Teller wird der komplette Film als eine einzigen Rolle gelagert (ein
120minütiger Film wiegt ca. 30Kg), der vorher vom Vorführer zusammengeklebt
wurde. Der Film wird von innen nach außen abgespielt und der Vorführer
leitet ihn über mehrere Führungsrollen, teilweise mehrere Meter durch
den Raum, zum Projektor. Dort wird er über mehrere Zahnrollen u.a. die vom
'Malteserkreuz' angetriebene Schaltrolle und die vor- und nachgelagerten Abtastgeräte
des jeweiligen Tonsystems direkt zurück zu einem
freien Teller geführt. Es ist auch möglich den Film durch mehrere Projektoren
zu leiten, und somit zwei Säle gleichzeitig mit einer Kopie zu bespielen
(sogenanntes Interlock). Der dritte Teller ist für einen zweiten Film vorgesehen.
Durch dieses System entfällt das aufwendige Rückspulen, welches das
Filmmaterial am meisten strapaziert hat. Wenn man mit dem Material sorgsam umgeht
und die Projektoren gut wartet, könnte man einen Film über das Tellersystem
beinahe unbegrenzt laufen lassen (In Disney-Vergnügungsparks werden Filme
bis zu 20.000 mal vorgeführt). Auf Spulen könnte das Material ca. 700
Vorführungen durchhalten. Dass heutzutage Kopien schon viel schneller unbrauchbar
werden und ramponiert sind, liegt häufig an schlecht gewarteten Maschinen
und unsachkundigem Personal.
Die Zukunft soll natürlich digital werden. Kein lästiger Transport oder
Lagerung von Filmen, sondern Übertragung per Datenleitung ins Kino. Der Film
wird anschließend gelöscht. Erste Testvorführungen in Amerika
verliefen anscheinend positiv und alle Teilnehmer waren von der Qualität
der Wiedergabe beeindruckt. Bis dahin müssen noch die Normen festgelegt und
die technischen Voraussetzungen bei der Übertragung und im Kino geschaffen
werden, wenn man bedenkt das die Information eines einzigen 35mm Bildes ca. 40
Megabyte entspricht und ein zwei Stunden Film aus 172.800 Bilder besteht. Ein
erster Prototyp des Digital Light Processing
(DLP) wurde im Jahr 2000 im Zoo Palast Saal 1 in Betrieb genommen.
Aber was macht eigentlich der Vorführer, wenn der Film nicht mehr übergeblendet
wird. Generell muß er den Film für den Teller vorbereiten, d.h. die
einzelnen Akte zusammenkleben, als auch jede Woche die Werberolle und Trailer
zusammenfügen. Die Einschaltung der Werbung wird dem Kino vorgegeben, die
Reihenfolge kann es selber entscheiden. "Man sollte immer darauf achten einen
Spot ohne Musik an den Anfang zu stellen, da eine Schwungrolle im Tonsystem meist
ein paar Sekunden beim Anlaufen benötigt und Musik einige Sekunden etwas
leiert. Bei Sprache kriegt der Zuschauer das nicht so leicht mit" fügt
Uli fachmännisch hinzu. Trailer werden den Kinos unentgeltlich zur Verfügung
gestellt. Den Einsatz, Dauer und Anzahl entscheidet das Kino. In der Regel haben
sich die Kinos und Verleiher stillschweigend auf drei Trailer geeinigt.
Ebenso startet der Vorführer in der Regel die Matrix. Wer jetzt hoffnungsvoll
denkt, dass das etwas mit Keanu Reeves zu tun hat, wird leider enttäuscht.
Die Matrix ist ein kruder Apparat der die Öffnung des Vorhangs, dimmen des
Lichts, starten des Projektors etc. in vorprogrammierter Reihenfolge übernehmen
kann. Ein Alustreifen auf dem Film am Ende der Rolle gibt der Matrix das Zeichen
das Ende der Vorstellung einzuläuten und den Vorhang zu schließen.
Die Matrix übernimmt diesen Vorgang im Filmpalast bei der Werbung, aber bei
dem Hauptfilm läßt es sich Uli nicht nehmen den Ablauf selber zu kontrollieren.
Die Lautstärke der Wiedergabe wird immer im Saal kontrolliert.
Die schönsten Erinnerungen und Geschichten gibt es allerdings von der 'Berlinale'.
Dort wird aus Prinzip mit Überblendung bei jedem Akt gearbeitet, weil die
Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit nur eine Viertelstunde dauert, während
ein Abspielen von der Scheibe mindesten 45 Minuten beansprucht. In seinen Anfängen
beim Filmmarkt ist Uli einmal der Faux Pas passiert, dass er den dritten Akt zweier
französischer Filme verwechselte und beim Abspielen nach 40 Minuten ein anderer
Film lief. Einer der beiden Gäste - ein Journalist - nutze die Unterbrechung
als willkommene Gelegenheit zur Flucht, da das Werk bis dahin keine allzu großen
künstlerischen Qualitäten besaß. Das hätte der übriggebliebenen
Zuschauer zu diesem Zeitpunkt sicher nicht weiter übel genommen, wenn es
nicht der französische Filmexportchef gewesen wäre.
Um Probleme bei der Überblendung zu umgehen, aus Angst, dass sie verschlafen
werden, bestand der Verleih von 'Shakespeare in Love' darauf, dass der Film vom
Filmteller läuft. Leider fiel der Antrieb des Tellers aus. Normalerweise
würde in diesem Fall eine Notvorrichtung das Saallicht anmachen und den Projektor
stoppen, aber Uli hatte den Projektor davon abgekoppelt und für zwei Stunden
den Teller mit der Hand gedreht. Ein herbeigeeilter Mechaniker kam unbeabsichtigt
gegen den Notschalter, der Film lief zwar weiter aber das Saallicht ging an, just
als im Film eine Theaterszene endete. Die Zuschauer dachten, dass der Film zu
Ende wäre und gaben großen Szenenapplaus. Der Regisseur sagte in der
anschließenden Pressekonferenz mit einem Augenzwinkern, dass eigentlich
nach jeder Theaterszene im Film das Licht angehen sollte, aber der Vorführer
hat die anderen Male leider geschlafen.
Überhaupt ist die 'Berlinale' schon immer eine Spielwiese für neue Techniken
in der Projektion gewesen. Der überhaupt erste Digitalton in einem deutschen
Kino kam von einer französischen Firma. Das Tonsystem nannte sich 'LC-Concept'
und wurde mit Emir Kustoricas 'Arizona Dream' vorgestellt. Der Ton befand sich
auf einer CD und wurde über einen Timecode vom Film synchronisiert. Das System
ist untergegangen und kam als Nachbau später aus Amerika wieder und trägt
nun den Namen dts. Die Erfinder von dts hatten
aber bei ihrer Konstruktion nicht an die Möglichkeit gedacht, dass ein Film
nun nicht vom Filmteller läuft, sondern Akt für Akt überblendet
wird. Bei der erste 'Berlinale'-Vorführung mit dts brach nun der bei der
Überblendung der digitale Ton zusammen und das System schaltete auf die analoge
Tonspur um. "Prompt kam der Anruf aus dem Saal: 'Was habt ihr gemacht - der
Ton ist plötzlich besser geworden?'" Uli berichtet weiter "Ein
Anruf bei dts in den USA führte dort zum erstaunten Ausruf: 'Überblendung?
Wer überblendet denn noch?' Zur Ehrenrettung der Firma ist zu sagen, dass
dts mittlerweile weiterentwickelt wurde und mittlerweile das wohl ausgereifteste
Digitalsystem ist. Auch das Überblenden ist nun möglich geworden...
die 'Berlinale' als Entwicklungshelfer der Filmtechnik."
Mit einem glitzern im Auge erinnert sich Uli an den Abend von der Aufführung
von 'Lerchen am Faden'. Der Film wurde zum ersten Mal seit 20 Jahren aufgeführt
und die Kopie hatte schon einen leicht grünen Stich. Jaromir Sofr, der Kameramann
des Films, kam kurz vor der Vorstellung in den Vorführraum und hatte eine
frische Kopie dabei und Uli gefragt ob er nicht diese nehmen könnte. Aber
alle Kopien müssen von der 'Berlinale' vorher geprüft und freigegeben
werden. "Man bräuchte einen Magentafilter für den Projektor um
das Problem zu beheben, dachte ich laut" erzählt Uli. "Da öffnete
Jaromir seinen Koffer. Er hatte doch tatsächlich so einen Filter dabei. Das
einzige Problem war, das wir nur einen hatten. So mußte Herr Sofr bei jeder
Überblendung mit dem Filter zum anderen Projektor laufen. Aber alles klappte
und die Vorführung war farblich und in jeder anderen Weise perfekt... und
obendrein gewann der Film den goldenen Bären. Ein paar Jahre später
erhielt ich eine Einladung vom tschechischen Kulturattache zur Vorführung
eines neuen Films im tschechischen Kulturzentrum. Es war ein Film von Jiri Menzel
nach einem Buch von Vaclac Havel und der Kameramann Jaromir Sofr kam persönlich
zur Premiere in die Stadt. Als wir uns wiedersahen fielen wir uns in die Arme."
Gekrönt wurde die Zeit als Vorführer bei der 'Berlinale' überraschenderweise
im Jahr 1999, das letzte Jahr im 'Zoo Palast'. Bei der Verleihung der Bären
gab Moritz de Hadeln die Verleihung der Ehrenmedaille der Berliner Filmfestspiele
bekannt, die Uli und seine Kollegin Manuela Röhl stellvertretend für
alle Mitarbeiter entgegennahm.
Und fast wäre die Vorführung des Abschlußfilms der 'Berlinale'
zum Pannenfall geworden. Die 70mm-Kopie 'Porgy und Bess' stand auf dem Programm.
Die Kopie wurde auf gußeisernen antiken Spulen angeliefert. Bei 70mm ist
nicht nur der Film doppelt so breit, sondern auch jeder einzelne 20-Minuten-Akt
nimmt es an Umfang und Gewicht problemlos mit einer 1800m-Spule (60min) 35mm-Films
auf. Alles war perfekt vorbereitet. In der Nacht zuvor hatte man bereits zwei
Akte probeweise laufen lassen. Gegen den starken Rotstich der schon sehr gealterten
Kopie waren Glasfilter vor die Projektoren geklebt. "Als ich nun den vierten
Akt einlegen wollte, paßte die Spule nicht auf den Projektor. Man hatte
zwei Jahre zuvor den Abtaster für das digitale SDDS-System
montiert. Dabei hatte man diesen so angebracht, dass die größte im
'Zoo Palast' verfügbare Spule gerade eben noch auf die Maschine paßte
- niemand hatte mit den antiken 'Monsterspulen' von Metro Goldwyn Mayer gerechnet.
Mir blieben 15 Minuten um 800m Film zweimal mit einem Handumroller auf eine kleinere
Spule umzurollen und den Film über 20 Rollen im Projektor einzulegen. 10
Sekunden vor der Überblendung hatte ich es schweißüberstömt
gerade noch geschafft."
Ein bißchen wehmütig schaut Uli auf die Zeit im 'Zoo Palast' zurück
(schon im Vorjahr, brach die Schließung des Gloria Palastes Herrn Hansmanns
und sein Herz). "Die 'Berlinale' ist das größte was man als Vorführer
in Deutschland erreichen kann. Ich habe neun Jahre die Vormittagsschicht des Wettbewerb
im 'Zoo Palast' gemacht - eine einmalige und tolle Zeit." Als Uli die Leitung
der abendlichen Wettbewerbsvorstellungen des 'Berlinale Palast' angeboten bekam
lehnt er, trotz ein paar Bedenken, nicht ab. Allein das hier die neuste Technik
eingebaut wurde und dies bis dato Deutschlands einziger Saal mit dem Tonsystem
dts-es ist, reizte Uli.
Doch immer wieder sitzt Uli gebannt, wie alle anderen Zuschauer, im Saal des 'Filmpalast',
vertraut der Technik im Vorführraum und verfolgt die Geschichten auf der
Leinwand. Die Filmleidenschaft ist und bleibt schließlich der treibende
Faktor in seinem Leben. Bevor er jedoch in die Fantasywelt abtaucht, macht sich
Uli noch schnell eine kleine Notiz in seinem Kopf, dass er sich in den nächsten
Tagen vielleicht doch noch mal die Projektionslampe vornehmen sollte...
[Ben 3'00 Update]
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