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Nach den ersten Tagen in Sydney lande ich auf der Nordinsel Neuseelands in
Auckland. Ich laufe die Queen Street herunter und an der Ecke Wellesley
Street steht das fantastische The
Civic Theatre. 1929 erbaut, ist das 'The Civic' eines der wenigen weltweit
noch existierenden ehemaligen Kinos in 'atmosphärischer' Bauweise, sprich
mit einem künstlichen Sternenhimmel im Saal. Das Foyer und der Saal ist einem
Palast im indischen Stil nachempfunden. Zum Beispiel tragen im Foyer Elefanten
die goldbraunen und kunstvoll verzierten Pilaster auf ihren Rücken. Im Saal
oberhalb des Proszenium Bogen Rahmen zwei goldene Tiger eine Kugel mit Flügeln
ein, auf der sich der Umriss Neuseelands befindet. Dieses sind nur zwei von hunderten
stimmingen Details im Saal und Foyer.
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'The Civic' in Wellington Aussenansicht, 1942 (links)
Foyer nach der Renovierung, 1999 (rechts) © The Edge |
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Im Jahr 2000 wurde das 'The Civic' nach 2 Jahren Renovierungsarbeiten wiedereröffnet.
Änderungen wurden vor allem im Bühnen und Backstage Bereich vorgenommen,
da sich die Nutzung des Baus nunmehr auf Theater- / Musicalaufführungen konzentriert,
auch wenn Filmvorführungen immer noch möglich sind. Leider ist ein Besichtigung
ausserhalb eines regulären Theaterbesuchs nicht erlaubt. Es besteht ansonsten
immerhin die Möglichkeit im angrenzenden Café etwas zu bestellen,
und das sagenhafte Foyer durch die Scheibe zu bewundern. Oder man schaut sich
Peter Jacksons 'King Kong' Remake an, in dem das 'The Civic' für die Innenaufnahmen
des New Yorker Theaters Pate stand, in dem King Kong Amok läuft.
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'The Civic' Foyer in Wellington, 1942 © The Edge |
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Dies ist selbstverständlich nicht das letzte Mal, dass man den Namen Peter
Jackson begegnet. Schon wenige Stunden Autofahrt südlich von Auckland, kann
man in der Nähe von Matamata die Reste eines der berühmtesten
Filmsets der jüngeren Filmgeschichte besuchen: Hobbiton.
Ein zweites Filmset auf der Nordinsel, welches nach den Dreharbeiten abgerissen
wurde und von findigen Geschäftsleuten nachgebaut wurde, liegt in der Nähe
des Mount Taranaki oder Mount Egmont in Uruti, der im Film als Mount Fuji
verkauft wurde: Hier kann man das Samurai
Village aus 'The Last Samurai' anschauen.
Doch ich besuche beide Filmsets nicht und reise weiter, über Rotorua und
Taupo nach Napier. Eine Stadt die während eines Erdbebens 1931 zerstört
wurde und innerhalb von zwei Jahren wieder aufgebaut wurde. Daher befindet sich
hier die größte Ansammlung von Häusern im Art Deco Stil. Die ehemalige
Kinos Gaiety de Luxe Cinema (im spanischen Missions und maurischen Stil)
und State Cinema (in einem Mix aus spanischen und Art Deco Design) auf
der Dickens Street sowie das 1944 abgebrannte und Ende der 50er wieder errichtete
Odeon Theatre in der Hastings Street werden schon länger nicht mehr
als Kino genutzt.
Für Art Deco Kino Fans, sei an dieser Stelle noch eben das Opotiki
Deluxe Theatre in Opotiki an der Bay of Plenty erwähnt. Das 1926
erbaute und unveränderte Kino veranstaltet immer im September ein Stummfilmfestival,
inklusive Kostümwettbewerb im Stil der 1920er Jahre.
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Ehemaliges 'Gaiety de Luxe Cinema' in Napier, März
2006 © kinokompendium |
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Wenn man nun aber einen Film in Napier sehen möchte, muss man zum 'Hawkes
Bay Museum' gehen, von dessen Dach King Kong, mit einer Eiscreme-Tüte in
der Hand, schaut. In diesem befinden sich nicht nur ein Museum über die Stadtgeschichte
Napiers und eine Kunstgallerie, sondern auch das gut ausgestattete Century
Cinema.
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'Century Cinema' in Napier, März 2006 © kinokompendium |
Es wurde 1977 zunächst
nur als Ort für Live Aufführungen eröffnet (zu dem Zeitpunkt spielte
noch das 'State Cinema' und 'Odeon Theatre'). Erst am 3. Mai 1990 wurde es für
Filmvorführungen umgebaut, und seitdem werden Art-House Filme und gehobener
Mainstream gespielt.
Von Napier fahre ich weiter südlich bis nach Wellington, der Hauptstadt
Neuseelands. Hier steht das 1924 errichtete Embassy
Theatre. Zuletzt wurde es durch die starke Unterstützung von Peter Jackson
renoviert und zur Weltpremiere von 'Lord of the Rings - The Return of the King'
im Dezember 2003 im frischen Glanze eröffnet. Das 'Embassy Theatre', mit
seiner hellen klasischen Fassade, steht am östlichen Ende des Courtenay Place.
Auf dem Platz auf der anderen Straßenseite wurde eine dreibeinige Skulptur
des WETA Workshop (der Visuellen Effektfirma von Peter Jackson) aufgestellt. |

Skulptur des WETA Workshop mit 'Embassy Theatre', März
2006 © kinokompendium |
| Die Karten kauft man sich
im Erdgeschoss und über zwei geschwungene Marmortreppen steigt man in die
großzügige Lobby im ersten Stock, in der sich auch ein Café
und eine Bar befindet. Architektonische Details, wie zum Beispiel die schmiedeeisernen
Treppengeländer und verzierten Bodenfliesen, stammen noch aus den 20er Jahren.
Im Saal wurden hingegen viel verändert. Die mittleren Reihen haben extrem
breite und sogar mit Leder bezogene Sessel. An den hölzernen Armlehnen befindet
sich jeweils eine Plakatte, auf der ein Name eines Hauptsponsors eingraviert ist,
der die letzte Renovierung unterstützt hat. So kann man mit Glück und
nach längerer Suche, im Sessel von Peter Jackson oder manch anderem Hauptdarsteller
der 'Lord of the Rings'-Trilogie sitzen. Eine riesige neue CinemaScope-Leinwand,
nutzt nicht die gesammte breite des Saals, da links und rechts neben der Leinwand
indirekt beleuchtete Türmchen für ein bißchen Raffinesse bei der
Innenausstattung sorgen. Trotzdem wird die Leinwand in manchen Publikationen als
größte Leinwand der südlichen Hemisphäre bezeichnet (ohne
eine genaue Größe zu nennen). |

'Paramount' mit Café im Foyer, undatiert ©
Cinema Paramount Limited |
| Hat man danach noch Lust
auf Kino, lohnt sich neben dem 'Embassy Theater', auch ein Besuch des 50 Meter
entfernten Paramount,
ebenfalls am Courtenay Place. Auf drei Leinwänden, werden vor allem Art-House
Filme gezeigt. Auch hier gibt es ein großzügiges Café in der
Lobby im Ersten Stock mit kleiner Terasse von der man wunderbar das Treiben beobachten
kann. |

Saal 'Paramount', undatiert © Cinema Paramount Limited |
| Hat man in Sachen 'Lord
of the Rings' & Peter Jackson noch nicht genug, bietet sich die, nicht günstige,
Rover Ring Tour
an. Diese Tagestour bringt die Teilnehmer zu einigen Drehorten um Wellington und
das Filmstudio, in dem ein großer Teil der Dreharbeiten stattfand, überblickt
man von einem Hügel. Zusätzlich, was nicht im Tourprogramm erwähnt
wird, fährt man an dem Wohnhaus von Peter Jackson vorbei - die Oscar-Statue
steht deutlich erkennbar in einem Fenster. |

Saal 'Brooks' (links) & Saal 'Bergman' (rechts), undatiert
© Cinema Paramount Limited |
| Nach der Fährenüberfahrt
von Wellington zur Südinsel nach Picton schließen sich ein paar Tage
ohne Kinoerlebnisse an. Erst im Südwesten in Wanaka beschließe
ich ein Stopp nur Aufgrund des Kinos einzulegen. Das Cinema
Paradiso wird seinem Ruf gerecht. |

Das 'Cinema Paradiso' in Wanaka mit Umgebung, April 2006
© kinokompendium |
| Das ehemalige Rathaus wurde
in einen Kinosaal und ein großzügiges Café umgebaut. Der Saal
ist mit alten Sesseln und Sofas ausgestattet,
aber auch einem zersägten Cabrio, so dass vier Besucher in den Genuss eines
'Autokinos' kommen. Zwei Vorführungen pro Abend, von kürzlich gelaufenen
Kassenerfolgen, bilden das Programm und jeder Film hat in der Mitte eine ca. 15min
Pause. Normalerweise ein Ärgernis, ist es hier fester Bestandteil des Konzepts.
Während der ersten Hälfte des Films wurden nämlich frische Kekse
gebacken, um die sich nun die Kinobesucher rangeln. Aber auch Kuchen und andere
Leckereien, lassen sich in den Saal für die zweite Hälfte des Films
mitnehmen. |

'Cinema Paradiso' Saal, um 2005 © Cinema Paradiso |
Meine Neuseeland Rundreise
endet schließlich in Christchurch. Da meine Herberge direkt gegenüber
der alten Canterbury Universität liegt (jetzt das 'Art Centre'), stoße
ich schon wenige Stunden nach meiner Ankunft auf die größte Kuriosität
in den Art
Centre Cinemas. Hier läuft seit Jahren die deutsche Produktion 'Gloomy
Sunday' nonstop.
Ich besuche zwar kein weiteres Kino in der Stadt, begebe mich aber auf die Spuren
von Peter Jacksons 'Heavenly Creatures' und damit auch auf die Spuren der wahren
Geschichte von Juliet Hulme und Pauline Parker. Ich laufe durch den Victoria Park,
in dem Honora Parker umgebracht wurde, und fahre anschließend zum University
Staff Club, ehemals 'Ilam Mansion', in dem die Hulmes lebten. Peter Jackson drehte
hier Aussenaufnahmen im Garten und am Haus und nutzte das Erdgeschoss des Gebäudes
für seinen Film. |


Haus mit Garten in dem Familie Hulmes während ihres
Aufenthalts in Christchurch lebte,
bekannt aus 'Heavenly Creatures', April 2006 © kinokompendium |
| Am letzten Tag in Neuseeland
mache ich noch einen Ausflug nach Lyttelton, in dem große Teile von Peter
Jacksons 'The Frightners' und auch Aufnahmen für 'Heavenly Creatures' gedreht
wurden. Anschließend geht es weiter nach Australien...
[Ben 1'07]
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