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 Beschreibung
Fast eine viertel Million winziger Glühbirnen erstrahlt in 16,7 Millionen verschiedener Lichteffekten und blinkt die Nachricht auf einer Fläche von 18 x 2,5 Metern in das Lichtermeer der 42. Straße: LOEWS ist hier! Und die Show beginnt tatsächlich, gemäß den unsterblichen Worten des Gründers Marcus Loew ("We sell tickets to theatres, not movies.") bereits auf dem Bürgersteig. Rechtzeitig zum 95. Geburtstag, eröffnete die heutige Nachfolge-Firma Loews Cineplex Entertainment USA (LCE) eine Sony-Retail-Unternehmen, den neuesten Kinopalast in der Metropole Manhattan. Am 12. November tanzten die 'Radio City Music Hall'-Rockettes vor dem Eingang des 13 Säle und 3500 Sitzplätze umfassenden All Stadium/All Digital-Komplexes (36cm Stufenüberhöhung, überall SDDS oder Dolby Digital). Sieben Kinos haben um die 200 Plätze, ein Saal gar 550, die Leinwandgrößen gehen bis fast 11 x 20 m. Die Außenleuchtschrift mit Chromarecore stammt von Color Kinetics aus Bosten und wurde von Universal Sign gebaut. 592 Mikroprozessoren, 3,4 Kilometer Kabel und ein Computer kontrollieren die 250.000 roten, grünen und blauen Lämpchen. Der Energieverbrauch ist dabei nicht höher als der von zwanzig Haartrocknern.

Wandbemalung im Foyerbereich, um 2000 © Loews Cineplex Entertainment
Erklärtes Ziel in Design und Ausstattung, so Lawrence Ruisi, President und Chief Execuitive Officer von LCE, war es, den Glamour der klassischen Kinopaläste und den Traum vom Broadway mit modernster Technik und Präsentation zu verbinden.
In dem von Architekt David Rockwell entworfenen Themenpark findet man dann auch überall die so genannte Kunst am Bau, die als 15. Projekt innerhalb der letzten 18 Monate von der Firma Sparks Exhibits and Environments für LCE umgesetzt wurde. Unter der eingangs beschriebenen Leuchtschrift tritt der Besucher in das im Stil des Art Deco gehaltenen Kassenfoyer. Das imposante Deckengemälde dort stellt die vier Jahreszeiten dar und könnte auch vom Jugendstilkünstler Alfons Mucha höchstpersönlich stammen. Vorbei an zwölf Kassenstationen und vierzehn Automaten geht es zur Rolltreppe, die die Zuschauer zum Zwischengeschoss bringt, das mit den verschiedenen Restaurants und anderen Unterhaltungsmöglichkeiten des von Tishman Speyer entworfenen E-Walk:Projektes verbunden ist.

Ab der Ebene 3 heißt es dann Kino, Komfort und Concession überall. Von der Straße aus sichtbar und mit einem roten Samtvorhang geschmückt erstreckt sich die Lobby über drei Etagen. Im Mittelpunkt steht auf einer Grundfläche von 9 x 12 Metern die Verkaufstheke, die Wolkenkratzer nachempfunden ist und in Teilbereichen fast 8 Meter hoch reicht. Hinter der mit fünfzehn Gallonen so genannter Chrome-Illusion-Farbe gestrichenen und daher prächtig schillernd-schimmernden Snack-Skyline befindet sich eine komplett für Fast-Food-Speisen ausgerichtete Küche, in der das LCE-Team nun solche Leckereien wie Chicken-Wings und Popcorn-Shrimps zubereitet.
Zusammen mit großformatigen Reproduktionen von Hollywood-Stars wie Fred Astaire oder Ginger Rogers ergänzen rote Samtbänke das farblich abgestimmte Ensemble aus Loews Signaturteppich, Wandlampen und beleuchteten Posterkästen mit dem zentralen Kundenservicecenter und Satellitenständen in jeder Richtung der Kinogänge. Auf der Wand hinter der Rolltreppe zum nächsten Stockwerk beeindruckt ein gigantisches Gemälde, dass das New Yorker Straßenleben am Broadway in den 30er und 40er Jahren zeigt.

8 Meter hohe Verkaufstheke auf der 3. Ebene, um 2000 © Loews Cineplex Entertainment
Auf der Ebene 4 möchte der Kinogänger dann am liebsten eine Nummer aus 'West Side Story' anstimmen, so sehr fühlt er sich vom Anblick der 2,4 Meter hohen Thekenkrönung aus nicht weniger als tausend Glühbirnen inspiriert. Integriert in die Wanddekoration findet man hier Schwarzweiß-Fotos, die Szenen aus der Vergangenheit der Loews-Gruppe zeigen. Die vergoldete Kassettendecke aus mit Fiberglas verstärktem Gips wurde in mehr als vierzig Einzelteilen in Orlando hergestellt.

Was dies alles kostet, blieb wie immer ein Firmengeheimnis von Loews. Bekannt ist jedoch, dass das gesamte E-Walk-Projekt mit Geschäften und Restaurants ein Budget von 70 Millionen Dollar umfasste. Mit Blick auf die wirtschaftliche Rentabilität muss allerdings schon jetzt daran erinnert werden, dass American Multi-Cinema direkt gegenüber noch 25 weitere Säle im Laufe des Jahres in Betrieb nehmen wird.
Rechtzeitig zur Eröffnung der Konkurrenz erstrahlte die Fassade des in seinem Grundmauern verschobenen historischen Empire Theatres dann auch in frisch geputztem Glanz und durch die Glasfenster konnten die Passanten bereits ein wahres Labyrinth von Rolltreppen bestaunen. Der Projekt-Entwickler schnürte dort ein Entertainment-Paket aus Madame Tussaud's Wachsfiguren-Kabinett, einem 'His Master's Voice'-Musik- und Video-Megastore (bereits eröffnet) und so manch anderer Attraktion. Doch trotz allem Respekt für den hohen Standard von AMC, wird das Loews E-Walk wohl schwer zu überbieten sein.

[© filmecho | filmwoche Februar 2000 von Andreas Fuchs]