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 Beschreibung
Charles E. Toberman, einer der wichtigsten und einflußreichsten Grundstücksmakler und Gestalter Hollywoods, ist 1920 an den Geschäftsmann und Theaterbesitzer Sid Graumann herangetreten um mit ihm über die Entwicklung eines eleganten Filmpalastes im Vorort Hollywood zu verhandeln. Zu dem Zeitpunkt zentrierten sich die großen Theater im Stadtkern von Los Angeles, bei denen Sid Grauman mit den prachtvollen Kinos 'The Million Dollar', 'The Rialto' und 'Metropolitan' mitmischte.

Toberman und Grauman einigten sich auf den Bau eines pompösen Kinopalast. Der Baugrund lag nur unweit von einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkten Hollywoods, an der Ecke Hollywood Boulevard / Vine.
Der Bau des Kinos dauerte 18 Monate und kostete 800.000$ (1992 ca. 7.260.000$) Vor dem Kino erstreckte sich ein Vorplatz ca. 15 x 50m, der durch seine Eingrenzung wie ein Innenhof wirkte. Vier massive Säulen mit einer Höhe von 6m rahmten den Eingang zwischen Straße und Vorplatz ein. Alle Säulen waren mit Hyroglyphen verziehrt, die Wände mit ägyptischen Bildmalereien und zwei Sphinx auf dem Vordach bewachten den Eingang. So waren selbverständlich auch die Mitarbeiter entsprechend gekleidet, und ein ägyptischer Wachmann auf dem Vordach des Kinos rief den Beginn jeder Vorstellung aus. Der Saal (36 x 39m) hatte eine Sitzkapazität für 1200 Besucher und vor der Leinwand gab es eine Bühne (25 x 10m), die für die Shows vor den Filmen genutzt wurde.

Am 18. Oktober 1922 wurde das 'Egyptian' mit der Premiere von 'Robin Hood' mit Douglas Fairbanks gefeiert. Der Film wurde anschließend exklusiv im 'Egyptian' gezeigt. Die Karte für die Premiere kostete 5$ (1992 ca. 45$) und zu den Gästen zählten u.a. Cecil B. DeMille, Mary Pickford und Charlie Chaplin. Vor dem Film spielte das 'Hollywood Egyptian Orchestra' die Overtüre der Oper 'Aida'.

Renoviertes Fassade Detail, 1998 © Los Angeles Magazine
Das 'Egyptian' mit seiner exotischen Kulisse war einer durchschlagender Erfolg, zu dem die Ägypten Euphorie in der Öffentlichkeit beigetragen hat die einen Höhepunkt mit der Entdeckung des Grabes von Tut-Ench Amun im November 1922 erreichte. Tatsächlich wurde noch kurz vor dem Bau der Stil des Kinos umgeändert, welches ursprünglich im spanischen Stil gebaut werden sollte.

Am 4. Dezember 1923 war neben dem 'George M. Cohen Theater' in New York das 'Egyptian' das einzige Kino das 'Die zehn Gebote' zeigte. Vor jeder Vorstellung gab es eine exklusive Bühnenshow die weit über 100 Darsteller umfaßte und zum Teil Originalkostüme aus dem Film und Darsteller in identischen Rollen präsentierte. Sid Grauman soll jedes Detail der Aufführungen persönlich überwacht haben, und ließ den Film und die Show als "die herausragenste Premiere der gesamten Welt" bewerben.

Doch schon 1927 verließ Sid Grauman das 'Egyptian Theatre' um sich voll seinem neuen Kino Palast Chinese Theatre zu widmen, welches nur einen Steinwurf entfernt lag. Die 'Fox West Coast Theatres' pachteten das 'Egyptian' und betrieben es während der Depression bis fast zum Ende des 2. Weltkrieges als Nachspieltheater.

Erst 1944, als das Kino von MGM übernommen wurde und das Studio es zum Premierenkino ihrer Filme erkorten, kehrte der Glamour der ersten Jahre zurück. Dieses ging Anfang der 50er Jahre mit einer umfangreichen Renovierung einher, die das Gesamtbild des Kinos stark veränderte. Dem Einbau der riesigen Todd A-O Leinwand, die für die Aufführung von 'Oklahoma' benötigt wurde, fiel die gesamte Bühne zum Opfer. Gleichzeitig wurden sämtliche Säulen mit Hyroglyphen, Sphinx etc. entfernt und die Wände mit gelben Stoff bespannt. Der Eingangsbereich, inklusive Kassenhäuschen und Leuchtschrift, wurde ebenfalls modernisiert und verändert. Mit der Renovierung und dem Engagement von MGM kehrte das 'Egyptian' zu einem Kino mit langen exklusiven Aufführungen von Filmen zurück, die man sich mit den heutigen kurzfristigen Spielzeiten von nur wenigen Wochen gar nicht mehr vorstellen kann. So lief 'Ben Hur' (1959) für zwei Jahre und 'My Fair Lady' (1964) über ein Jahr. 'Funny Girl' (1968) war der letzte Film im Egyptian, der eine große Premiere und anschließend lange Spielzeit hatte.

'My Fair Lady' Premiere, 1964 © Los Angeles Magazine
Doch nach dem Ausstieg von MGM Anfang der 70er Jahre war nichts mehr von dem großen Glanz übrig geblieben und das Haus verkam über die Jahr immer mehr. Es wurde von Besitzer zu Besitzer weiter gereicht, bis es schließlich 1992 geschlossen wurde. Kaum einer rechnete mehr mit der Wiedereröffnung, da der Hollywood Boulevard schon lange nur noch vom Glanz der damaligen Tage träumte und schon teilweise Verhältnisse wie in einem Slum herrschten. Das Kino wurde von Obdachlosen in Beschlag genommen. Regen der durch das kaputte Dach tropfte als auch Vögel die den Saal als Nestplatz nutzen, machten das Kino abbruchreif.

Kurz vor dem bevorstehenden Abriß, machte ein Erdbeben in Los Angeles das Kino endgültig zur Einsturzgefahr. Aber ironischerweise war gerade das Erbeben die Rettung für das Gebäude. Der Projektentwickler hatte eine großzügige Versicherung auf das Gebäude abgeschlossen, so dass das Geld aus der Versicherungspolice für den Wiederaufbau der American Cinematheque geliehen wurde. Die American Cinematheque hat sich u.a. die Präservierung und Pflege des amerikanischen Film zur Aufgabe gemacht, und war schon länger auf der Suche nach einem Kino. Mehrere Jahre Planung und Verhandlungen ermöglichte schließlich die Renovierung für die veranschlagte Summe von 7.7 Millionen Dollar und anschließend wurde das Kino für den symbolischen Wert von 1$ an die American Cinematheque verkauft.
Da der ursprüngliche Saal mit seinen Verzierungen möglichst genau wieder hergerichtet werden sollte, aber nicht für eine gute Akustik geeignet war (da das Kino noch zur Zeit des Stummfilms gebaut wurde), wurde innerhalb des Saals eine Art 'Käfig' eingebaut (ein Raum im Raum). Die Wände des Käfigs lassen sich vor der Vorführung öffnen und geben dem Blick auf die ursprünglichen Wände frei. Trotzdem konnte der Glanz des ursprünglichen Saals nur im Ansatz rekonstruiert werden. Die verzierte Decke ist dabei der schönste Blickfang.

Rekonstruierte Decke, 1998 © Los Angeles Magazine
Heute werden durch die American Cinematheque Klassiker aller Jahrgänge, als auch ausländische Filme jeglicher Sparte in Themenreihen präsentiert, denen eine Diskussion anschließen soll zu denen die Macher der Filme eingeladen werden. So konnte, kurz nach der feierlichen Wiedereröffnung Februar 1999, u.a. James Cameron empfangen werden.

[Ben 2'99]